Hessischer SPD-Vize und CDU-Sprecherin: "Wir sind ein Paar"
Hiebe für die Liebe

Mittlere Sensation in Hessen: Der stellvertretende SPD-Chef Jürgen Walter hat eine neue Frau an seiner Seite - ausgerechnet aus den verfeindeten Reihen der CDU. "Die Liebe nimmt manchmal seltsame Wege", meint ein führender Sozialdemokrat.

WIESBADEN. Seit 100 Tagen agiert der hessische Landtag mit unklaren Mehrheitsverhältnissen. Die Bildung einer stabilen Regierung steht in den Sternen. Und die natürlichen Koalitionspartner in einer derartigen Lage - CDU und SPD - bleiben einander fern. Nur der stellvertretende hessische SPD-Chef Jürgen Walter hat die Gräben überwunden: Die neue Frau an seiner Seite kommt aus den Reihen der Union.

Im sommerlichen Wiesbaden ist das eine mittlere Sensation. Denn hier sind Sozialdemokraten und Unionschristen seit Jahrzehnten in inniger Feindschaft verbunden. Freundschaften zwischen Abgeordneten der Volksparteien sind unbekannt. Der Unwillen von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und der SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti, über eine Zusammenarbeit auch nur nachzudenken, hat auch darin seine Wurzel.

Was Andrea und Roland nicht gelingen will, ist Jürgen und Esther nun geglückt. Via "Bild"-Zeitung ("So strahlt nur wahre Liebe") verkündeten der SPD-Vize und die Sprecherin der CDU-Landespartei und-fraktion, Esther Petry, dass sie ein Paar sind.

"Die Liebe nimmt manchmal seltsame Wege", seufzt ein führender Sozialdemokrat ob des Bekanntwerdens der Liaison. Pikant ist Walters neue Liebe nicht allein, weil die Partner für verfeindete Parteien arbeiten. Pikant ist die Verbindung auch, weil Walter seit Monaten für eine Große Koalition in Wiesbaden wirbt, dafür aber regelmäßig Prügel aus der SPD bezieht.

Walter argumentiert, dass die Koalitionsfrage mit der Verabschiedung des nächsten Landeshaushalts entschieden werden muss: "Parteien, die gemeinsam einen Haushalt beschließen, können auch zusammen regieren." Zudem sieht der hessische SPD-Vize die Große Koalition als Art rettenden Hafen an. Sollte es 2009 zu vorgezogenen Neuwahlen kommen, drohe der Sozialdemokratie im Land ein vernichtender Schlag, fürchtet Walter.

Derartige Ratschläge aber fallen in der Hessen-SPD derzeit auf keinen fruchtbaren Boden. Die Frankfurter Jusos forderten Walter bereits auf, sein Landtagsmandat und alle Parteiämter niederzulegen. Und Ypsilanti hält sich noch immer die Option einer rot-grünen Minderheitsregierung mit Tolerierung durch die Linkspartei offen.

Eine Vorentscheidung über einen erneuten Anlauf für Rot-Rot-Grün dürfte der SPD-Landesparteitag am 13. September bringen. Dann stehen auch Vorstandswahlen an. Ob Jürgen Walter danach noch stellvertretender Parteichef der Hessen-SPD ist, wird zunehmend fraglicher. Die Frau an seiner Seite hat aus ihrer privaten Situation berufliche Konsequenzen gezogen - und ihre Funktion als CDU-Pressesprecherin zum 15. Juli niedergelegt.

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