Hintergrund
Kaplan und der „Kalifatsstaat“

Der sogenannte „Kalifatsstaat“ wurde 2001 in Deutschland verboten. Zur radikal-islamischen Propaganda der Organisation von Metin Kaplan zählten religiös verbrämte Aufrufe zur Gewalt, Hetze gegen die Demokratie und diktatorische Heilsversprechungen.

HB AUGSBURG. Laut Verbandszeitschrift bestanden beispielsweise „keine Bedenken, auf die Ungläubigen zu schießen“. Der 1994 gegründete Verein verstand sich als Wiederbelebung des durch Kemal Atatürk 1924 in der Türkei abgeschafften „Kalifats“. Das Ziel: die Weltherrschaft des Islam unter Führung eines Kalifen.

Gleichzeitig band die aus dem „Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V.“ hervorgegangene Gruppierung die Mitglieder durch eine Mischung aus Dienstleistungen und Druck an sich. Dazu gehörte ein eigenes Fernsehprogramm und Läden in Moscheen.

1995 hatte der selbst ernannte „Kalif von Köln“ Metin Kaplan die Organisation von seinem Vater Cemaleddin Kaplan übernommen. Bald darauf beanspruchte der Berliner Funktionär Ibrahim Sofu das Amt des Kalifen. Nach einem Mordaufruf durch Kaplan wurde Ibrahim Sofu tatsächlich von einem Killer-Kommando getötet. Kaplan wurde wegen Aufrufs zum Mord zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt.

Der „Kalifatsstaat“ verlor erst 2000 das vereinsrechtliche Religionsprivileg, das Bundesinnenministerium verbot ihn im Dezember 2001. Bundesweit hatte der „Kalifatsstaat“ zu diesem Zeitpunkt noch rund 1100 Mitglieder, nachdem hunderte wegen der Führung Kaplans abgesprungen waren. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz warnt bis heute vor einer weiteren Radikalisierung des harten Kerns der Anhänger.

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