Hintergrund
Merkel verliert mit Merz Rivalen und Mitstreiter

Es ist das Ende eines langen Machtkampfes. Über Jahre haben Friedrich Merz und Angela Merkel um die Vorherrschaft in der CDU gerungen, nun gibt der 48-Jährige alle seine Spitzenämter in der Union auf. Für Merkel dürfte der Abschied von Merz aus CDU-Präsidium und Fraktionsführung aber kaum ein Triumph sein.

HB BERLIN. Denn die Union verliert nicht nur ihren profiliertesten Wirtschafts- und Finanzpolitiker, sondern einen Konservativen, der wie kaum ein anderer die CDU-Stammklientel anspricht.

In den Wirren der CDU-Spendenaffäre schafften Merz und Merkel fast simultan den Sprung in Führungspositionen der Union. Merz wurde im Februar 2000 zum Vorsitzenden der Bundestagsfraktion von CDU und CSU gewählt, Merkel löste nur wenige Wochen später Wolfgang Schäuble als CDU-Vorsitzenden ab. Aber der gemeinsame Aufstieg schweißte die beiden nicht zusammen, im Gegenteil. Der katholische Familienvater aus dem Sauerland und die geschiedene Ostdeutsche blieben sich fremd - und wurden bald zu erbitterten Gegnern.

Den Höhepunkt erreichte der Streit der beiden, als die kühl kalkulierende Merkel mit Hilfe von CSU-Chef Edmund Stoiber nach der Bundestagswahl 2002 Merz von der Fraktionsspitze verdrängte. Merz war tief getroffen von der Entmachtung und wollte sich schon damals aus ersten Reihe der Union zurückziehen. Merkel wusste aber um die große Lücke, die Merz hinterlassen würde. Sie bewegte ihn dazu, weiter als stellvertretender Fraktionsvorsitzender zu arbeiten.

Merz ist nicht nur der unumstrittene Finanzexperte der CDU - von ihm stammt das Steuerreformmodell der Partei - er ist wohl auch einer der geschliffensten Redner der Union. Auf dem Leipziger Parteitag der CDU im vergangenen Jahr fuhr er so fulminante Attacken gegen die Bundesregierung, dass er weit euphorischeren Applaus erhielt als die Parteivorsitzende für ihre Rede. Und anders als Merkel steht Merz nicht im Verdacht des konservativen Parteiflügels, eigentlich in der falschen Partei angekommen zu sein. Merz strahlt mit jedem seiner 198 Zentimeter CDU-Milieu aus: nach dem Abitur Wehrdienst, dann Jura-Studium in Bonn, Burschenschafter, als Student Mitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Ironischerweise kommt der Rückzug zu einem Zeitpunkt, wo Merz sich mit Merkel einig wie selten ist in der politischen Linie. Beide versuchen, das CDU-Gesundheitsmodell gegen den Widerstand der CSU durchzusetzen. Noch am Wochenende sagte Merz einen Satz, der ihm vor einiger Zeit kaum über die Lippen gekommen sein dürfte: „Ich jedenfalls unterstütze mit Nachdruck das Konzept der CDU und das Vorgehen von Angela Merkel.“ Und in seinem Brief an Merkel, in er seinen Rückzug aus den Spitzenämtern ankündigt, schreibt Merz, in den kommenden Wochen werde er sie nach Kräften im Reformstreit mit der CSU unterstützen. So bleibt für Angela Merkel ein fahler Beigeschmack. Zwar hat sie endgültig über einen ihrer stärksten innerparteilichen Rivalen gesiegt, aber gleichzeitig hat sie einen der profiliertesten CDU-Politiker verloren.

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