Deutschland
Hintergrund: Minderheitsregierung mehrfach erprobt

Auf Bundesebene mussten bisher vier Kanzler kurzzeitig ohne parlamentarische Mehrheit auskommen. Ihre Minderheitsregierungen waren aber nie das unmittelbare Ergebnis von Wahlen, sondern "situationsbedingt":

Konrad Adenauer: Der CDU-Regierungschef konnte sich 1962 nach dem Rücktritt der FDP-Minister wegen der "Spiegel"-Affäre drei Wochen lang nur auf die Unionsfraktion stützen.

Ludwig Erhard: Adenauers Nachfolger leitete 1966 nach dem Ausstieg der Liberalen ebenfalls ein CDU/CSU-Minderheitskabinett. Nach einem Monat verlor der CDU-Politiker bei der Bildung der großen Koalition sein Amt als Regierungschef.

Willy Brandt: Durch Austritte von sechs Abgeordneten der Regierungsfraktionen geriet die sozial-liberale Koalition des SPD-Kanzlers 1972 in eine Patt-Situation, die sich drei Monate hinzog. Neuwahlen sorgten wieder für eine stabile Mehrheit.

Helmut Schmidt: Weil die FDP die Seiten wechselte, verlor der SPD-Kanzler 1982 die Mehrheit und stürzte 14 Tage später.


Auf Landesebene hielten sich viele Regierungen trotz fehlender Mehrheit länger:

Sachsen-Anhalt: An die aktuelle Situation im Bund erinnern die Vorgänge des Jahres 1994 in Sachsen-Anhalt, wo nach der Wahl weder CDU und FDP noch SPD und Grüne eine Mehrheit hatten. Reinhard Höppner, dessen SPD nur zweitstärkste Kraft war, ließ sich mit Hilfe der PDS zum Ministerpräsidenten wählen und sein SPD/Grünen-Kabinett von der PDS tolerieren. Von 1998 bis 2002 regierte die SPD mit Duldung der PDS allein.

Berlin und Hessen: Keine Mehrheit nach Wahlen hatten von 1981 bis 1983 auch Richard von Weizsäcker (CDU) in Berlin und von 1982 bis 1985 Holger Börner (SPD) in Hessen.

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