Hinweise auf El-Kaida
Dschihad H. gesteht Kofferbomben-Anschlag

Der wegen der Kofferbomben-Anschläge auf deutsche Regionalzüge im Libanon festgenommene Dschihad H. hat nach Angaben der Regierung in Beirut die Tat gestanden. Laut Innenministerium soll es Hinweise auf eine Verbindung zur Extremistenorganisation El-Kaida geben. Das BKA spricht von der Bildung einer Terrorzelle in Deutschland.

HB BEIRUT. Dschihad H. habe bei seiner Vernehmung zugegeben, eine Kofferbombe in einem deutschen Nahverkehrszug platziert zu haben, nachdem man ihm die Bilder der Überwachungskameras vom Kölner Hauptbahnhof gezeigt habe, sagte der libanesische Innenminister Ahmed Fatfat am Freitag Reuters TV.

Zur einer Verbindung zu El-Kaida fügte der Innenminister hinzu: „Bislang ist noch nichts eindeutig, aber in seinem Computer haben wir etwas gefunden, das auf El-Kaida hindeutet.“ Der Beschuldigte bestreite zwar jeglichen Kontakt zu der Organisation. „Aber vielleicht hat er unter dem Dach von El-Kaida gearbeitet, ohne es zu wissen“, fügte der Minister hinzu.

Dschihad H. hatte sich am Donnerstag den libanesischen Behörden gestellt und sitzt nun in einem Spezialgefängnis in Beirut ein. Dort soll er unter anderem von deutschen Ermittlern befragt werden. Dschihad H. war, kurz nachdem die nicht detonierten Sprengsätze entdeckt worden waren, in den Libanon gereist.

Am 31. Juli waren in Dortmund und Koblenz zwei Kofferbomben in Nahverkehrszügen gefunden worden. Nur auf Grund handwerklicher Fehler kam es nicht zur Explosion. Dschihad H. und Youssef Mohamad E.H. waren als Verdächtige identifiziert worden, nachdem sie von Bahnhofs-Kameras gefilmt worden waren.

Zwei weitere Verdächtige gefasst

Am frühen Freitagmorgen nahm die Polizei in Konstanz am Bodensee einen dritten Verdächtigen im Fall fest. Sicherheitskräften in Konstanz berichteten laut dpa, der Festgenommene soll ebenfalls Libanese sein. Wie es weiter hieß, lebte der Mann erst seit kurzem in der Stadt. Er habe sein Studium erst noch aufnehmen wollen.

Außerdem fassten die libanesischen Behörden in der Hafenstadt Tripoli einen mutmaßlichen vierten Mittäter. Der Generalstaatsanwalt des Libanon, Said Mirsa, sagte, es handele sich um einen 24 Jahre alten Mann aus einem Dorf in der nordlibanesischen Provinz Akkar. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft erklärte gegenüber Handelsblatt.com, es habe im Fall der Kofferbomben drei Festnahmen gegeben. Über den in Gewahrsam genommenen vierten Libanesen lägen noch keine weiteren Informationen vor. Die Hinweise auf ihn stammten offenbar von Dschihad H..

Nach bisherigem Ermittlungsstand geht das Bundeskriminalamt (BKA) von einer terroristischen Zelle in Deutschland aus, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in der ARD. Es sei wahrscheinlich, „dass es in Deutschland Mitwisser und Helfer gegeben hat“. Ob es einen Zusammenhang mit der libanesischen Organisation Hizb ut-Tahrir gibt, sei noch nicht klar.

Die Ermittler gingen allerdings nicht von „Schläfern“ aus, die zum Zweck von Anschlägen nach Deutschland geschickt würden. „Wir haben es hier eher damit zu tun, dass junge Menschen radikalisiert werden und bereit sind, solche Anschläge zu begehen.“ Ziercke fordert zudem, Internet-Provider stärker in die Pflicht zu nehmen, etwa durch ein Gesetz, Pläne zum Bau von Bomben aus dem Internet zu entfernen.

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