Historisches Treffen von Torgau
Ein Handschlag macht Geschichte

Das Foto vom historischen Handschlag ging um die Welt: Auf der zerstörten Elbbrücke in Torgau begrüßten sich am 25. April 1945 drei amerikanische und drei sowjetische Soldaten fast wie alte Freunde. Sie lachten und verbrüderten sich. Die Lücke zwischen der Ost- und der Westfront war geschlossen, das Ende des Krieges nah. In den Hauptquartieren der alliierten Streitkräfte wurde diese Begegnung zum offiziellen ersten Zusammentreffen der beiden Mächte erklärt. Die US-Truppenzeitung titelte mit der Schlagzeile „Yanks meet Reds“ („Yankees treffen die Roten“).

HB TORGAU. „Bei den kleinen Soldaten herrschte fast überschwängliche Freude, dagegen betrachteten die sowjetischen Generäle die freundschaftlichen Szenen sehr distanziert“, sagt der Torgauer Historiker Uwe Niedersen. „Ein Schwur für den Frieden, von dem oft gesprochen wird, ist wohl nicht abgeleistet worden, davon ist weder in amerikanischen noch in sowjetischen Archiven etwas zu lesen“, sagt der Historiker. „Das tut der friedlichen Botschaft von Torgau aber keinen Abbruch“, sagt Stadtsprecher René Vetter.

Dabei trafen Amerikaner und Russen in Torgau nicht zum ersten Mal aufeinander, sondern schon dreieinhalb Stunden früher in Strehla, 30 Kilometer südöstlich. Der US-Leutnant Albert Kotzebue hatte mit fünf Soldaten vom amerikanischen Hauptquartier in Wurzen aus die Gegend erkundet. Sie stießen bis zur Elbe vor und überquerten in einem Segelboot den Fluss.

„Auf der Ostseite angekommen stand Kotzebue mit seiner Gruppe inmitten von 300 Leichen - Frauen, Kinder, alte Menschen“, sagt Niedersen. „Die sowjetischen Kämpfer winkten den Amerikanern freudig zu.“ Der Kontrast hätte kaum größer sein können. „Jeder erkannte, dass dies nicht der Ort für eine historische Begegnung war.“

Stattdessen ging Torgau in die Geschichte ein. Ein zweiter vom US- Leutnant William Robertson geleiteter Erkundungstrupp der 60. US- Division sollte die Flüchtlingsströme östlich von Leipzig erkunden. Die Amerikaner hatten Leipzig am 20. April erobert. Eine Kontaktaufnahme mit den Sowjets war zunächst nicht vorgesehen. Wehrmachtssoldaten, die freiwillig ihre Waffen abgaben, und die Flüchtlingtrecks, die den Amerikanern als Befreier zuwinkten, beflügelten den Leutnant jedoch und er zog weiter.

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