Hochbegabung: Privatschulen setzen auf individuelle Förderung

Hochbegabung
Privatschulen setzen auf individuelle Förderung

Hochbegabung ist ein Segen - kann aber auch eine Belastung sein, wenn die Kinder sich im Unterricht langweilen und ihr Talent nicht entdeckt wird. Wie Kinder mit einem Intelligenzquotienten von über 130 gefördert werden können.

BERLIN. "Hochbegabte sind zu besonderen Leistungen fähig - allerdings nur, wenn das Umfeld sie fördert", sagt Ingmar Ahl aus dem Vorstand der Karg-Stiftung für Hochbegabtenförderung. Die Stiftung setzt sich seit 1989 für hochbegabte Kinder ein. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die Weiterbildung von Lehrern oder Lehramtsanwärtern, denn die Probleme von Hochbegabten beginnen oftmals bereits in der Schule, meist sogar schon im Kindergarten.

Häufig unterfordert, langweilen sich die Kinder und verlieren die Lust am Lernen. "Sie sind oftmals die Zappelphilippe der Klasse", sagt Julia Schier, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen. Lehrer erkennen die besondere Begabung der Kinder nur selten, denn die wenigsten sind für das Thema sensibilisiert - und so landen viele eigentlich hochbegabte Schüler auf Förderschulen oder brechen die Schule frühzeitig ab. Spezielle Angebote für sie gibt es nur wenige. "In Deutschland fangen die Lehrer erst an zu realisieren, dass auch diese sogenannten Underachiever, also die, die nicht nur Einsen mit nach Hause bringen, hochbegabt sein können", sagt Heike Giese, Mitglied des Bundesvorstands der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK).

Auch der heute 15-jährige Sohn von Giese hatte es lange schwer. Mit einem Intelligenzquotienten von über 130 gehört er zu den Hochbegabten - die offizielle Schwelle ist bei 130 überschritten. Betroffen sind nach Angaben der Karg-Stiftung rund 2,2 Prozent aller Menschen. Betroffen deswegen, weil Hochbegabung nicht immer nur ein Segen ist. Bei Gieses Sohn fingen die Probleme schon bei der Einschulung an. Auf die staatliche Grundschule habe er nicht gewollt, sie erschien ihm zu trivial, erzählt seine Mutter. Giese schulte ihn dann auf einer Montessori-Schule in der Nähe ein, in der bereits im ersten Schuljahr die Hochbegabung erkannt wurde. In der Gymnasialzeit jedoch begannen die Probleme mit den Lehrern, und Giese nahm ihn schließlich von der Schule. Heute besucht er ein Internat.

"Vor allem Hochbegabte brauchen ständig Angebote, damit sie sich nicht langweilen", sagt Lorenz Heimbrecht, der im Internat Stiftung Landschulheim am Solling unterrichtet. Das Landschulheim hat sich auf die Förderung von Hochbegabten spezialisiert. "Die Schulform Internat eignet sich besonders gut, um mit Hochbegabung umzugehen", sagt Heimbrecht. Dadurch, dass die Schüler auch dort wohnen, habe man den ganzen Tag Zeit, sich um sie zu kümmern, sagt Heimbrecht. Noch ist der Anteil der hochbegabten Schüler mit 15 von den insgesamt 250 Schülern zwar überschaubar, die Nachfrage nach diesen speziellen Plätzen aber steige. Um die Schule bei der Förderung von Hochbegabten zu unterstützen, hat Heimbrecht mit vier Kollegen eine Projektgruppe gegründet. Sie informieren das Kollegium, organisieren Fortbildungen und kümmern sich um Wettbewerbe für die Begabten. "Damit die Kinder ihre Leistungen auch zeigen können", sagt Heimbrecht.

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