Hochhäuser
Die Fassade als Brandbeschleuniger

Die Räumung eines Hochhauses in Wuppertal wegen einer feuergefährlichen Außenfassade hat eine Debatte ausgelöst. Eine bundesweite Prüfung gedämmter Gebäude steht bevor. Der Eigentümer des evakuierten Hauses reagiert.
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BerlinDas Hochhaus im Wuppertaler Ortsteil Langerfeld ist abgeriegelt, städtische Siegel versperren den Zugang. Die Stadt hatte das Haus am Dienstagnachmittag wegen Brandschutzmängeln evakuieren lassen. Jetzt ist die Sorge groß, dass ein solcher Schritt bundesweit drohen könnte.

Die Länder sind alarmiert. Die Bauministerkonferenz werde „kurzfristig erheben, wo es solche Bauten geben kann“, sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) am Mittwoch in Berlin. Sie habe deswegen bereits mit dem Vorsitzenden der Konferenz gesprochen, Sachsen-Anhalts Landesminister Thomas Webel (CDU).

Die Fassade des Wuppertaler Hochhauses gilt als feuergefährdet. Eine Sprecherin der Stadt sagte, mit Blick auf den Hochhausbrand vor zwei Wochen in London sei die Sachlage noch einmal neu bewertet worden. Das Fazit: „In diesem Zustand ist das Haus nicht bewohnbar.“ Als Grund für die Entscheidung wird die Fassade des 1959/60 gebauten Hauses genannt. Doch auch die Tatsache, dass das Haus über keine Brandmeldeanlage verfüge und nur einen Fluchtweg über Außenbalkone besitze, sei in die Bewertung eingeflossen.

Der Fluchtweg könnte im Falle eines Brandes der Fassade womöglich gar nicht genutzt werden. Hätte das Gebäude zumindest eine Brandanlage gehabt, hätte man es nicht räumen müssen, hieß es am Mittwoch in Wuppertal. Eigner des Gebäudes ist seit 2013 die Firma Intown Property mit Sitz in Berlin. Ihm macht die Stadt Vorwürfe.

Seit 2010 sind der Stadt Probleme mit dem Gebäude bekannt. Seit damals, sagte die Sprecherin dem Handelsblatt, sei versucht worden, eine Verbesserung der Lage herbeizuführen – vergeblich. Dazu habe beigetragen, dass es mehrere Eigentümerwechsel gegeben habe. „Das Bauamt hat einen Wiederbezug zugesagt, sobald die Fassade entfernt ist und alle sicherheitstechnischen Mängel behoben sind“, so Intwon-Chef Sascha Hettrich. „Wir sind bereits dabei, dies in die Wege zu leiten und durchzuführen.“

Nach der verheerenden Brandkatastrophe in London ist der Handlungsdruck auch in Deutschland gestiegen. Wuppertal hat inzwischen begonnen, alle 70 Hochhäuser im Stadtgebiet zu überprüfen. Mit einer weiteren Räumung wird allerdings nicht gerechnet.

Das betroffene Hochhaus ist elfgeschossig und hat 86 Wohnungen. Nach Angaben der Stadt sind dort 72 Menschen gemeldet. Einige Wohnungen stehen leer. Mittlerweile ist die Hälfte der Bewohner in städtischen Wohnungen untergekommen, die andere Hälfte bei Freunden oder Verwandten.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die in Deutschland zur Fassadendämmung zugelassenen Materialien gelten in den Nachbarländern teilweise als hochbrennbar und sind dort nicht zugelassen. Aber im Rahmen der Energiewende spielen unsere Menschenleben ja keine Rolle - Ideologie geht bei uns vor Schutz des Lebens.
    1. Grundwasserverseuchung durch Nitrat - inzwischen nahezu flächendeckend (die Mineralwasserhersteller wird es freuen, die Bürger werden demnächst im Rahmen ihrer Stromrechnung nicht nur eine EEG-Umlage, sondern auch eine EEG Trinkwassersaierungsumlage bezahlen - auch auf ihr Dusch- und Brauchwasser ..)
    2. keinen Fortschritt beim CO² seit Jahren, trotz gestiegener Umverteilung (EEG etc.) von UNTEN nach OBEN (armer Mietwohnungsbewohner zahlt an reichen Villenbesitzer/Solar oder die Land besitzende Klasse - Kommunen, Landwirte, institutionelle Investoren (Biogas, Windkraft(. Schleichende Enteignung traditionell wirtschaftender und auch biologisch arbeitender Landwirte. Sie können sich das durch die Energiewende und die EU Flächenbeihilfen das Land bald nicht mehr leisten - weder pachten, noch kaufen.
    3. Originalzitat Merkel: wir setzen weiter auf den Diesel. Schon wieder spielt die Gesundheit der Bevölkerung keine Rolle ! Stickoxide sind jedenfalls giftiger, als CO². Nett wäre doch einfach ein Zulassungsverbot für Dieseltaxi's in Grossstädten. Alternativen gibt es bei Toyota zu kaufen. U
    4. Energetische Altbau-Sanierung: Menschenleben egal, Hauptsache gedämmt ! Bei neuen Häusern kein Problem, da KfW-Häuser ohne Probleme ohne Styropor&Co auskommen (schon wieder trifft's den kleinen Mann ..). Die Brandrisiken von den in D verwendeten Dämmstoffen für Fassade und Co werden von den nicht ideologischen Berufsfeuerwehren seit Jahren gebetsmühlenartig kommuniziert aber nichts passiert - es werden lustig weiter hoch brennbare Dämmungen verbaut - trotz über 100 bekannten Fällen in Deutschland, die ähnlich gelagert sind wie der Grenfell Tower - glücklicherweise bisher kaum Tote und "nur" Rauchvergiftungen .

  • Da Wärme bekanntlich nach oben steigt, ist eine gute Dachdämmung wichtig und bringt neben guten Fenstern die meiste Einsparunge. Ob sich eine Fasadendämmung rechnet, kann nur im Einzelnen berechnet werden. Es entstehen aber auch viele Nachteile, wenn man sein Haus in Kunststoff einpackt. Ich werde es nicht machen.

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