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Hochschul-Etat: Wegfall der Studiengebühren reißt Loch ins Budget

Die meisten Bundesländer haben die Studiengebühren wieder abgeschafft - meist weil SPD oder Grüne die Macht übernommen hatten. Doch die damals versprochenen Kompensationszahlungen an die Hochschulen reichen nicht aus.

Studierende im Hörsaal der Anatomie der Universität Leipzig. Quelle: dpa
Studierende im Hörsaal der Anatomie der Universität Leipzig. Quelle: dpa

BerlinAnfang dieses Jahres kam das endgültige „Aus“ für Studiengebühren in zwei weiteren Bundesländern: In Baden-Württemberg ist der Besuch der Universität ab dem Sommersemester 2012 gebührenfrei, in Hamburg ab dem Herbst. Es verbleiben somit nur noch zwei Länder, die pro Semester 500 Euro Beitrag verlangen: Bayern und Niedersachsen. Damit nähert sich ein heiß umkämpftes Kapitel deutscher Hochschulgeschichte dem Ende. Begonnen hatte es 2005: Damals gab das Verfassungsgericht der Klage von sieben unionsgeführten Ländern statt, die gegen ein Verbot der Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz vor Gericht gezogen waren.

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Sieben Länder führten daraufhin Gebühren ein – in der Regel 500 Euro pro Semester. In Einzelfällen, etwa in Nordrhein-Westfalen, war den Hochschulen die Erhebung von Gebühren freigestellt. In der Regel wurde festgelegt, dass die Gebühreneinnahmen der Verbesserung der Lehre dienen und die Studenten ein Mitspracherecht erhalten sollten. Die SPD-regierten Länder wandten sich gegen Gebühren. Auch die ostdeutschen Länder führten – unabhängig von der regierenden Partei – nie Gebühren ein, denn sie hatten ohnehin Probleme, ihre Hochschulen zu füllen.

Die Hochschulrektoren begrüßten die Zusatzeinnahmen freudig. Ihr damaliger Präsident, Peter Gaehtgens, träumte schon bald von Gebühren in Höhe von 1.000 Euro pro Semester. Das Gesamtaufkommen der Gebühren stieg zwischenzeitlich auf insgesamt mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr. Gleichzeitig ging allerdings die Grundfinanzierung durch die Länder etwas zurück, wenn auch nicht in gleichem Maße. Vielerorts wurden von dem Geld Einführungskurse, zusätzliche Tutorien und Lehrende finanziert. Befürworter lobten daneben den Mentalitätswechsel: Wer fürs Studium zahle, fordere auch eher Qualität ein und fördere so das Entstehen einer Dienstleistungsmentalität der Unis.

Aufseiten der Studenten war der Protest jedoch gewaltig, die Wut über die Gebühren war ein zentraler Punkt im großen Bildungsstreik vor zwei Jahren. Daran konnten auch die flächendeckend eingerichteten Angebote für Studienkredite nicht viel ändern.

Kritiker, vor allem SPD und Grüne, warnten stets davor, dass Gebühren abschreckend wirkten. Ob dies tatsächlich so ist, ist noch heute umstritten. Für die große Masse scheinen die Gebühren kein Problem darzustellen. Betrachtet man jedoch nur die Gruppe der Schulabgänger mit Abitur aus Nichtakademikerhaushalten, so ist hier der Anteil derer, die nach eigenen Angaben wegen der Gebühren ein Studium nicht antreten, binnen weniger Jahre von fünf auf neun Prozent gestiegen. Sehr viele Studienabbrecher geben allgemein finanzielle Probleme als Grund an.

Alle Länder, die die Gebühren nach einer gewissen Zeit wieder abgeschafft haben – in der Regel, weil SPD oder Grüne an die Macht kamen –, haben ihren Hochschulen eine großzügige Kompensation versprochen. So will etwa Baden-Württemberg die künftig fehlenden rund 200 Millionen Euro voll ersetzen – und bei steigenden Studentenzahlen sogar entsprechend aufstocken.

Die Hochschulen und das Studentenwerk sind jedoch misstrauisch und fürchten, dass solche Versprechen nicht lange halten. Anlass für diese Sorge gibt es genug: Nordrhein-Westfalen, wo rund ein Viertel aller Studenten lernen, hat die Ausgleichszahlung 2009 auf 249 Millionen Euro festgezurrt. So viel nahmen die Hochschulen vor der Abschaffung an Gebühren ein. Mittlerweile ist jedoch die Zahl der Studenten um zehn Prozent auf 560.000 gewachsen. Auch in Hamburg wird die Kompensation nicht an steigende Studentenzahlen angepasst.

  • 09.01.2012, 07:54 Uhrihr

    Daran, das mit Arbeitslosenversicherungsbeiträgen der Versicherten Akademiker in der EU anch Deutschland geworben werden, stören sie sich offensichtlich nicht.

  • 09.01.2012, 07:51 Uhrihr

    Außerdem haben wir doch einen endlosen Fachkräfteüberschuss.
    Wir brauchen keine Ingeneure usw. Die holen wir für 30T€ Jahresgehalt aus Billigländern.
    Ein Studium für Deutsche Studenten lohnt sich da eh nicht. Wie soll er bei diesem Gehalt die Kosten fürs Studium zurückzahlen.

    Übrigens, an den Hunderten Milliarden um Schulden der Zockerei der Vermögenden bei den Banken zu begleichen stört sich niemand. Demgegenüber sind einige Millionen Investition in die Zukunft Deutschlands vernachlässigbar!!!

    Bei aller Kritik an den Politikern, Investitionen in Bildung sind immer gut.

  • 09.01.2012, 02:48 UhrAnonymer Benutzer: P_wie_Politiker

    Immer schön bei der Wahrheit bleiben und Dinge beim Namen nennen: Wenn hier verschleiernd von Kompensation gesprochen wird, dann nur deshalb, weil man mal wieder nicht vom Geld der Steuerzahler sprechen will.
    Ich halte die 500 Euro je Semester doch eh schon für einen lächerlichen Betrag. Jeder Wochenendkurs bei der VHS kostet umgerechnet mehr.
    Dem krankhaften Hang der Politiker zum Sozialismus und der indirekten Umverteilung in diesem Land wir nun also in einem weiteren Land die Studiengebühr abgeschafft - ohne Not.
    Wenn ich lese, daß die grünen und roten Sozis eine derart lächerliche Gebühr als "abschreckend" bezeichnen, dann kann ich nur den Kopf schütteln über dieses weltfremde Getue. Vielmehr ist es doch so, daß etwas für das man nichts bezahlen muß eben auch als frei und entsprechend wertlos angesehen wird.
    Warum sollte am Anfang eines Studiums nicht auch der Gedanke stehen, wie dies zu finanzieren ist, wobei die 83 Euro im Monat ja wohl der kleinste Posten sein werden?
    Es ist nicht zu glauben, das Land hat die höchsten Schulden in seiner Geschichte und die Politker machen einen Faß nach dem anderen auf um Pseudogeschenke zu verteilen, anstatt auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden die Ausgaben zu reduzieren. Das Geld das heute verprasst wird, muß dann eben später bezahlt werden, plus Zinsen und Zinseszinsen.
    Tja, dann sind die Verbrecher nicht mehr im Parlament. Und deren Nachfolger an den Futtertrögen werden ihre eigenen Geschenkpakete schnüren und den Mißbrauch in der Vergangenheit empört von sich weisen.
    Das System BRD ist zutiefst verkrebst und nur mehr mit dem eisernene Besen einer Revolution zu heilen. Gut, daß wir im ganzen Land viel Steuergeld dafür aufgewendet haben um all die Straflager aus der Nazizeit zu erhalten. Jeder Politiker der sich der Geldverschwendung schuldig gemacht hat (Abstimmlisten!)gehört in solch ein Lager um wieder Demut zu lernen. Und nach seiner Entlassung sollte er ein großes P am Revers tragen. P wie Politiker.

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