Hochschul-Reform
Niedersachsen fordert Reform des Bachelors

Zu viel Lehrstoff: Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann will die Bachelor-Studiengänge entrümpeln und drängt auf schnelle Korrekturen beim Umbau der deutschen Hochschulen.

BERLIN. Angesichts der Defizite beim Umbau der deutschen Hochschulen drängt Niedersachsen auf schnelle Korrekturen bei den Bachelor- und Masterstudiengängen in Deutschland. „Viele Bachelor-Studiengänge sind mit viel zu viel Lehrstoff vollgestopft und müssen entrümpelt werden“, sagte der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) dem Handelsblatt. Korrekturbedarf sieht er auch bei der Studiendauer. „Es kann nicht sein, dass ohne Rücksicht auf die zu vermittelnden Inhalte fast alle Bachelor-Studiengänge in Deutschland sechs Semester dauern.“ Dadurch werde der Bachelor-Studiengang entwertet.

Manche Universitäten hätten die Studiengänge so konstruiert, dass gute Arbeitsmarktchancen eigentlich nur diejenigen haben, die an das Bachelor- auch ein Masterstudium anhängen. Dies sei einer der Gründe, warum der Bachelor in der Wirtschaft zum Teil einen so schlechten Ruf habe. Notwendig sei eine Rückbesinnung auf die Ziele des Bologna-Prozesses, sagte Stratmann.

Der Bologna-Beschluss ist inzwischen zehn Jahre alt. 1999 hat Deutschland ihn unterschrieben und damit den Umbau der klassischen deutschen Studiengänge auf das international übliche Bachelor-Master-System und die Integration Deutschlands in den europäischen Hochschulraum eingeläutet. Ein zentrales Ziel des Prozesses war es, die überlangen Studiendauern auf maximal zehn Semester – für Bachelor und Master zusammen – zu reduzieren. Zudem sollte der Bachelor-Abschluss allein für einen Berufsabschluss qualifizieren.

Inzwischen haben die Universitäten rund zwei Drittel ihrer Studiengänge auf das neue System umgestellt. In Niedersachsen sind es sogar 90 Prozent. Hier studieren nur noch Mediziner und Juristen nach den alten Regeln.

Zwar stellt niemand die Reform im zehnten Jahr grundsätzlich infrage. Doch Niedersachsens Kritik ist alles andere als eine Einzelmeinung. Für die Studenten war das massiv verschulte und oft überfrachtete Bachelor-Studium ein Hauptgrund für einen Bildungsstreik in diesem Sommer. Auch die Wirtschaft kritisiert, dass die Hochschulen die Reform vielfach nicht genutzt hätten, die Curricula zu entschlacken, sondern den Inhalt eines Diplom- und Magisterstudiums in den Bachelor gestopft hätten.

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