Hochschulen
Länder legen bei Elite-Forschung nach

Die Würfel in der Exzellenzinitiative sind gefallen – nun legen diverse Länder in der Förderung der Spitzenforschung nach. Für das größte Aufsehen sorgt Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) mit dem Plan einer Super-Uni, den er am Montag erstmals konkret vorstellte.

BERLIN. Zöllner plant eine neue Einrichtung mit dem Arbeitstitel „International Forum of Advanced Studies“ (Ifas), in dem „die besten Forscher der Stadt mit den besten Wissenschaftlern weltweit zusammen arbeiten“ und ausbilden sollen. In ganz Deutschland gebe es allenfalls zwei bis drei Standorte, die das Potential hätten, eines Tages den besten US-Unis Paroli zu bieten. Berlin müsse seine auf vier Hochschulen und eine Masse von Instituten verteilten Kräfte bündeln, um einer davon zu werden, argumentiert Zöllner.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte das Projekt umgehend als „wichtig und richtig“ – es könne zur „wachsenden Sichtbarkeit der deutschen Forschung weltweit beitragen“. Besonders erfreulich sei laut Schavan, dass Berlin damit versuche, die Schranken zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen einzureißen – ähnlich wie die Elite-Hochschulen in Karlsruhe und Aachen, die sich jeweils mit einem großen Helmholtz-Zentrum zusammentun. Die Aufsplittung der deutschen Forschungslandschaft in Unis und die besser dotierten unabhängigen Forschungseinrichtungen gilt als zentrales Sturkturhemmnis.

Unterstützung für den Aufbau des als Stiftung organisierten Zentrums in Berlin habe auch der Präsident des Stifterverbandes, Arend Oetker, angekündigt. Die Begeisterung in Berlin selbst ist jedoch alles andere als überbordend. In der soeben abgeschlossenen Runde der Exzellenzinitiative hatte aus der Hauptstadt nur die FU als Elite-Unis reüssiert, die HU scheiterte. Insgesamt holten FU, HU und TU jedoch vier Exzellenzcluster und vier Graduiertenschulen. Der Präsident der neuen Elite-Uni FU, Dieter Lenzen, hat bereits angekündigt, er werde sich nicht an Zöllners bislang nur vage skizzierten Super-Uni beteiligen. Andere Hochschulchefs sind ebenfalls skeptisch.

Zöllner baut darauf, dass auch die Elite-Uni durch das Ifas „nichts verliert, sondern etwas dazugewinnt“. Das Ifas könnte Bereiche fördern, die in der Exzellenzinitiative nicht zum Zuge gekommen, gleichwohl aber herausragend seien, sagte Zöllner. Zunächst soll es 100 Berliner und ausländische Forscher beherbergen und für rund 500 Studenten Masterstudien und Promotionsprogramme anbieten. Die beteiligten Unis sollen eine Mehrheit erhalten. Ihre Spitzenforscher würden nur nebenbei am Ifas wirken, dafür aber deutliche Gehaltsaufschläge erhalten. So könnten auch FU und HU Forscher engagieren, die sie sich heute nicht leisten können, sagte Zöllner. Das Ifas als ganzes soll die Struktur der Berliner Forschung insgesamt koordinieren.

Der SPD-Politiker bietet den Chefs der Unis und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, vor allem der Max-Planck-Gesellschaft, den offenen Dialog an und hofft, die Super-Uni schon 2008 gründen und Ende 2009 den Lehrbetrieb starten zu können. Fürs erste stünden rund 33 Mill. Euro jährlich bereit.

Ein Sonderprogramm für exzellente Lehre hat auch Hessen aufgelegt, dessen Unis in der Exzellenzinitiative weit unterdurchschnittlich abschnitten. Die Hochschulen Darmstadt, Frankfurt und Gießen setzen insgesamt nur zwei Graduiertenschulen, also strukturierte Promotionsprogramme, und vier Exzellenzcluster durch. Mit dem Programm „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (Loewe) fördert Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) Spitzenforschung auch in Kooperation mit der Wirtschaft. Die Mittel steigen bis 2010 auf 90 Mill. Euro jährlich.

Ostdeutschland landete bei der bundesweiten Exzellenzinitiative ohne eine einzige Elite-Uni weit abgeschlagen. Sachsen eroberte immerhin einen Cluster und zwei Graduiertenschulen, Thüringen eine weitere Graduiertenschule. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt gingen leer aus. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) hat schon im Sommer eine „Landes-Exzellenzinitiative“ gestartet, um die bundesweite Initiative zu flankieren. Erfolgreich waren dort die TU Dresden und die Universität Leipzig.

Auch Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) setzt weiter darauf, auch in seinem kleinen Land Spitzenforschung etablieren zu können. So gibt das Land bis 2010 jährlich 20 Mill. Euro aus, um exzellente Forschung und den Aufbau entsprechender Netzwerke voran zu bringen. „Nur auf diese Weise kann der Abstand der neuen Länder zu den erfolgreichen Wettbewerbern insbesondere aus Süddeutschland verringert werden“, sagte Olbertz, der auch Koordinator der Wissenschaftsminister der Unions-Länder ist, bei der Vorstellung.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%