Hochschulen
Promotionsrecht für private Unis

Der Wissenschaftsrat hat den privaten Hochschulen die Tür zur Ausbildung von Doktoranden geöffnet. Künftig gilt ein klarer Kriterienkatalog für die Vergabe des heiß ersehnten Promotionsrechtes. Bedingung ist ausreichende Forschung.

BERLIN "Private Hochschulen müssen dieselben Qualitätsstandards erfüllen wie die staatlichen, um promovieren zu dürfen", sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, dem Handelsblatt. Das sei im Interesse des gesamten Wissenschaftssystems unerlässlich.

Strohschneider begrüßt ausdrücklich, dass sich zunehmend private Träger "der anspruchsvollen Aufgabe gestellt haben, forschungsorientierte Hochschulen zu gründen und zu finanzieren". Der Ruf nach einem eigenständigen Promotionsrecht sei nachvollziehbar, dafür wolle man einen Weg aufzeigen. Der Wissenschaftsrat ist das höchste Beratungsgremium der Politik für Fragen der Wissenschaft und setzt sich aus Vertretern der Wissenschaft sowie aus Bund und Ländern zusammen.

Damit sind die privaten Hochschulen im Rennen mit der übermächtigen staatlichen Konkurrenz zumindest einen Schritt weitergekommen. "Bisher war die Vergabe des Promotionsrechtes undurchsichtig und zufällig - jetzt wissen wir zumindest, woran wir sind", sagte der Vorstand des Verbandes der Privaten Hochschulen, Udo Steffens, dem Handelsblatt.

Zufrieden ist er dennoch nicht. Während staatliche Hochschulen das Promotionsrecht bereits mit der Gründung erhielten, müssen private Hochschulen zuerst ihre Forschungsfähigkeit beweisen. Nach der Empfehlung des Wissenschaftsrates, zu dessen Aufgaben auch die Akkreditierung der Hochschulen gehört, sollen sie das Promotionsrecht frühestens nach fünf Jahren erhalten.

"Damit besteht der Circulus vitiosus fort, dass es ohne Promotionsrecht schwierig ist, gute Forschungsprofessoren zu gewinnen, ohne einen großen Preisaufschlag zahlen zu müssen", kritisiert Steffens. Sein eigenes Haus, die Frankfurt School of Finance & Management, darf bereits promovieren.

Andere sind noch nicht so weit: So hat der Wissenschaftsrat zuletzt sowohl die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin als auch die Zeppelin Universität in Friedrichshafen nicht für reif befunden, das Promotionsrecht zu erhalten. Dennoch will die ESMT es nochmal versuchen: "Wir haben eine Reihe renommierter Professoren an die ESMT geholt, etwa von den Business Schools Harvard und London. Die gehen davon aus, dass sie bei uns in absehbarer Zeit auch Doktoranden ausbilden können", sagt ESMT-Präsident Lars-Hendrik Röller.

Schwierig bleibt es für Hochschulen, die auf ein Fach spezialisiert sind. Denn im Prinzip soll das Promotionsrecht nur an solche Einrichtungen vergeben werden, die mehrere Fächer anbieten und vom Bachelor an unterrichten.

Witten-Herdecke, die Hamburger Bucerius Law School und die Jacobs University in Bremen dürfen bereits Doktoranden ausbilden. Bei Bucerius und Jacobs haben die Länder das Promotionsrecht vergeben, der Wissenschaftsrat genehmigte das erst im nachhinein. Mit dieser Regionalpolitik soll nun Schluss sein: "Der reguläre Weg ist, dass private Hochschulen das Promotionsrecht erst dann von den Ländern erhalten, wenn sie zuvor vom Wissenschaftsrat institutionell akkreditiert wurden", sagte Strohschneider.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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