Hochschulen
Schavan „sauer“ wegen Zulassungs-Chaos

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sei „sauer“ über die schleppende Umsetzung eines neuen Clearingverfahrens für die Zulassung der Erstsemester an den Hochschulen durch die ZVS. Das sagte ihr Sprecher dem Handelsblatt.

BERLIN. Nun werde Schavan „keine weitere Verzögerung akzeptieren“ und deshalb im Februar alle Beteiligten zu einem Gespräch einladen, sagte der Sprecher. Die Ministerin erwarte dann „einen ganz klaren Fahrplan“, denn „die angehenden Studierenden haben eine berechtigten Anspruch darauf, dass das jetzt endlich und zwar rasch geordnet wird“.

Hintergrund ist das Zulassungs-Chaos. Derzeit bewerben sich Interessenten an diversen Hochschulen gleichzeitig – diese reagieren auf die Flut mit lokalen NCs. Wenn sich dann der Bewerbernebel lichtet, bleiben viele Plätze unbesetzt, die auch im Nachrückverfahren offenbar nur teilweise vergeben werden können. Zahlen gibt es nicht, Schätzungen der Hochschulrektorenkonferenz zufolge bleiben in den zulassungsbeschränkten Studiengängen – das ist immerhin jeder zweite – zehn bis 20 Prozent der Plätze ungenutzt. Das ist umso ärgerlicher, da die Politik künftig mindestens 40 Prozent jedes Jahrgangs an die Hochschulen locken und so dem Akademikermangel der Wirtschaft vorbeugen will.

Entstanden ist das Problem dadurch, dass die Hochschulen zunehmend ihre Studenten selbst auswählen dürfen. In Großbritannien gleicht eine zentrale Clearingstelle Nachfrage und Angebot ab – in Deutschland ist der Versuch, so etwas aufzubauen, bisher kläglich gescheitert. Die SPD, Grüne und Linke fordern daher ein Bundesgesetzes zur Zulassung. Das lehnt Schavan jedoch ab. Bei den örtlichen NCs sei nicht das Recht das Problem, sondern die technischen Umsetzung des von Hochschulen und Ländern vereinbarten Verfahrens, sagt ihr Sprecher. „Da müssen EDV- und Softwarespezialisten ran, aber keine Juristen.“ Auf Nachfrage fügte er hinzu: „Frau Schavan zweifelt in der Tat an der Fähigkeit der ZVS-Leitung, endlich schnell umzusetzen, was längst vereinbart ist.“

Im Sommer 2008 hatten die Länder entschieden, die ZVS zur Serviceagentur zu machen. Diese hat nicht mehr allzu viel zu tun, denn eine echte zentrale Vergabe mit bundesweitem NC gibt es nur noch in Medizin, Tier- und Zahnmedizin, Pharmazie sowie den auslaufenden Diplomstudiengängen in Psychologie und Biologie. Daher sollte die ZVS die Bewerbungen zwischen den Hochschulen und den Bewerbern abgleichen. Weil aber die ZVS nicht garantieren konnte, ein solches Verfahren bis zum Herbst 2009 zu stemmen, entschieden sich die Länder für eine Ausschreibung. Die soll nun bis Mai dieses Jahres abgeschlossen sein – das neue Clearingverfahren dann frühestens im Sommer 2010 anlaufen.

Für den Herbst 2009 jedoch droht damit erneut Zulassungs-Chaos. Dafür bot die ZVS ein „Übergangsverfahren“ an – die Entwicklungskosten übernahm der Bund. Als die ZVS dieses im Herbst präsentierte, forderten die Hochschulrektoren Nachbesserung. Im Dezember stellte sich dann heraus, dass die ZVS die Änderungswünsche nicht rechtzeitig umsetzen könne, sagte der Generalsekretär der HRK, Joachim Weber.

Wie Erste Hilfe aussehen kann, zeigt Baden-Württemberg: Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) hat 2008 eine Online-Studienplatzbörse eingerichtet, auf der die Hochschulen nach Semesterbeginn freie Plätze in 142 Studiengängen anboten. So konnten schnell noch 200 Plätze besetzen werden. Schon diese Woche treffen sich Ländervertreter, um zu beraten, ob das Stuttgarter Modell bundesweit angewandt werden kann – und wer das organisiert.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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