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Ansturm auf die Hörsäle

Die Hochschulrektoren schlagen Alarm: Bis 2014 steigt die Zahl der Studenten voraussichtlich auf bis zu 2,7 Millionen – ein Drittel mehr als heute. Diesen Studentenberg könnten die Hochschulen nur mit deutlich mehr Geld bewältigen, warnte der kommissarisch amtierende Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Burkhard Rauhut.

HB BERLIN. Nötig seien 8 000 zusätzliche Professoren, mehr wissenschaftliche Mitarbeiter und eine bessere bauliche Ausstattung – kurz ein „Hochschulpakt 2020“. Um diese „nationale Aufgabe“ zu meistern, müssten „Bund und Länder gemeinsam handeln“, forderte die HRK-Generalsekretärin Christiane Ebel-Gabriel.

Anderenfalls bleibe den Hochschulen nur „Notwehr“, drohte Rauhut. Entweder die personalintensive Umstellung auf die Abschlüsse Bachelor und Master scheitert, oder die Unis müssten flächendeckend den Numerus clausus einführen. „Damit würden wir mehrere Generationen von der Hochschulbildung ausschließen.“

Der Anstieg der Studentenzahlen hat verschiedene Ursachen: Zum einen studieren immer mehr Abiturienten. Auch führen die Schulzeitverkürzungen in einigen Bundesländern dazu, dass ab 2011 über mehrere Jahre jeweils zwei Abiturjahrgänge die Schulen verlassen werden. In Politik und Wirtschaft herrscht zwar Konsens darüber, dass Deutschland deutlich mehr Universitäts- und Fachhochschul-Absolventen braucht. Auch die OECD warnte die Republik bereits vor einem Akademikermangel: Während anderswo 50 bis 60 Prozent eines Jahrgangs eine Uni besuchen, sind es hier zu Lande nur 36 Prozent – das ist Platz 21 unter den großen Industriestaaten.

Der Hilferuf der Hochschulen richtet sich vor allem an die Länder – ganz ohne Bund geht es jedoch nicht. Dieser müsse „nicht nur bei Investitionen helfen, sondern auch bei den Kosten der Lehre“, sagte Generalsekretärin Ebel-Gabriel. Nach der geplanten Föderalismusreform wäre dies nicht mehr möglich. Die Hochschulrektoren hoffen nun, das Ruder im Gesetzgebungsverfahren noch herumreißen zu können, so dass der Bund auch künftig Geld zuschießen kann. Auch die neue Bundesbildungsminsterin Annette Schavan plädiert für ein Sonderprogramm.

Konkret fordert die HRK nach österreichischem Vorbild so genannte „Vorziehprofessuren“: Von insgesamt 41 000 Professuren werden ab 2015 rund 8 000 frei. Anstatt auf die reguläre Ablösung zu warten, sollten diese sofort ausgeschrieben und bis mindestens 2015 doppelt besetzt werden, verlangen die Rektoren. Bei durchschnittlich 4 000 zusätzlichen Stellen würde sich der finanzielle Aufwand auf rund 400 Mill. Euro jährlich belaufen. Das würde zugleich dem wissenschaftlichen Nachwuchs, der teilweise wegen fehlender heimischer Karrierechancen ins Ausland geht, eine Chance geben, sagte Rauhut. Keinesfalls dürfe der Studentenberg „mit kurzfristigen Lehraufträgen untertunnelt werden“, mahnte er. Das würde auf breiter Front die Qualität der Ausbildung mindern.

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