Hochschulpakt
Schulterschluss gegen die Finanzminister

Im ungewohnten Schulterschluss stocken die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern gemeinsam die Milliarden-Hilfen für die Hochschulen auf. Johanna Wanka hat ihre Bewährungsprobe als Bundesbildungsministerin bestanden.
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BerlinEin paar Zahlen verdeutlichen den Ernst der Lage an den überfüllten Hochschulen: 2011 gab es bundesweit 519 000 Studienanfänger, 2012 waren es 493 000. Und in diesem Jahr werden wegen des doppelten Abiturienten-Jahrganges im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen wieder rund 500 000 Erstsemester erwartet. In „normalen“ Jahren sind es hingegen im Schnitt zwischen 300 000 und 350 000. Insgesamt 2,5 Millionen junge Menschen sind derzeit zum Studium an deutschen Hochschulen eingeschrieben - so viele wie noch nie.

Angesichts des näher rückenden Wahlkampfes und der ansonsten in der Bildungspolitik häufig üblichen Bund-Länder-Schuldzuweisungen grenzt es schon an ein kleines Wunder, wie pragmatisch sich die Wissenschaftsminister auf weitere Milliarden-Hilfen für die Hochschulen verständigten. Lachend und erleichtert kamen Bundes- wie Landesvertreter am Freitag aus der Sitzung ihrer Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) - ein eher seltenes Bild. Und auch beim anschließenden Auftritt vor der Presse waren beide Seiten weitgehend um Harmonie und weniger um Fortsetzung von Streitigkeiten bemüht.

Bund und Länder hatten den Run auf die Hochschulen schon lange kommen sehen. Klar war, dass spätestens ab 2007 extrem geburtenstarke Abiturjahrgänge die Schulen verlassen würden. Bereits 2006 hatte die große Koalition von Union und SPD deshalb den Hochschulpakt zur Schaffung zusätzlicher Studienplätze auf dem Weg gebracht. Bund und Länder wollten sich im Prinzip die Mehrkosten teilen - mit Sonderregelungen für die Stadtstaaten und für die neuen Bundesländer. Es wurden mehr Dozenten eingestellt, zum Teil befristet, und auch zusätzliche Räume angemietet.

Doch der tatsächliche Studienanfänger-Andrang übertraf schnell alle Prognosen. Schon in der ersten Paktphase zwischen 2007 und 2010 kamen statt der zusätzlich erwarteten 90 000 nahezu doppelt soviel. In der zweiten Phase 2011 bis 2015 wird jetzt mit 620 000 zusätzlichen Anfängern gerechnet - statt wie bisher angenommen 275 000. Zudem wird Deutschland als Studienstandort für junge Ausländer immer attraktiver. Inzwischen hat jeder zehnte der 2,5 Millionen Studenten sein Abitur nicht in Deutschland erworben.

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