Hochschulrektorenkonferenz
Länder sind schuld am Bologna-Reformchaos

Die Rektoren der deutschen Hochschulen haben den Bundesländern schwere Fehler bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge vorgeworfen. Bei der Hochschulrektorenkonferenz in Leipzig lautete die Kritik: Die neuen Abschlüsse seien unterfinanziert und überreguliert.
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BERLIN. Begleitet von Protesten haben die Hochschulrektoren den Ländern schwere Vorwürfe bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge gemacht. Die neuen Studiengänge seien unterfinanziert und zum Teil überreguliert, heißt es in einer Erklärung, die die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gestern in Leipzig einstimmig verabschiedete. Auch hätten es die Länder versäumt, für Hochschulen wie für Studierende in wesentlichen Punkten für "Rechtssicherheit und Verlässlichkeit" zu sorgen.

Wirtschaft plädiert dafür, den Studenten etwas mehr Zeit zu lassen

Zugleich verteidigten die Rektoren grundsätzlich die Bologna-Reform. Die Präsidentin der HRK, Margret Wintermantel, räumte aber ein, dass es beim Umbau des Hochschulwesens auf das zweistufige Bachelor/Master-System in einigen Studiengängen durchaus Probleme gebe, etwa die Belastung durch Prüfungen sehr hoch sei. "Bei solch einer Riesenreform läuft nicht alles problemlos", sagte die frühere Präsidentin der Universität des Saarlandes. Die Hochschulen seien aber dabei, die Studiengänge zu überprüfen und Mängel abzustellen, sagte Wintermantel. Der Rektor der Leipziger Universität, Franz Häuser, beklagte eine zu einseitige Diskussion über die Umsetzung der Bologna-Reform in der Öffentlichkeit.

Die Bologna-Reform wurde 1999 von den europäischen Hochschulministern beschlossen. Sie soll das System europaweit kompatibel machen. Vor allem der Bachelor-Abschluss soll die Studienzeiten verkürzen und einen frühen Einstieg in den Job ermöglichen. Die meisten Bachelor-Studiengänge sind auf sechs Semester angelegt. Mittlerweile plädieren jedoch sowohl die Kultusminister als auch die Wirtschaft dafür, den Studenten etwas mehr Zeit zu lassen. Bachelor und Master zusammen sollen maximal zehn Semester dauern.

Auch die Kanzlerin hält die Kritik an der Neuordnung des Studiensystems "an der einen oder anderen Stelle" für berechtigt. Zugleich verwies sie auf die Grundsatzentscheidung, bis 2015 sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Bildung zu investieren. Nun spreche man mit den Ländern über die Finanzen, sagte Angela Merkel auf dem Deutschen Arbeitgebertag. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte dort, der Bund müsse bis 2013 dafür sorgen, "dass zehn Mrd. Euro pro Jahr zusätzlich in Bildung und Forschung investiert werden". Zur Gegenfinanzierung schlug er eine Börsenumsatzsteuer vor.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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