Höcke, Poggenburg & Co.
AfD-Rechtsausleger fordern Parteispitze heraus

In der AfD wird heftig über den richtigen Flüchtlingskurs gestritten. Erneut steht dabei der Thüringer Landeschef im Fokus. Höckes Thesen verärgern die Parteispitze. Doch der erhält Hilfe - vom rechten Patrteiflügel.

BerlinWegen seines provokanten Auftretens in der Flüchtlingsdebatte fing sich Björn Höcke bereits einen kräftigen Rüffel der AfD-Spitze ein. Jetzt zieht der Thüringer Landtagsfraktionschef erneut den Unmut auf sich. Erst nennt er den rechtsextremen Front National (FN) in Frankreich einen Verbündeten, dann bringt er das Bevölkerungswachstum in Afrika in einen Zusammenhang mit der Asylpolitik. Der NRW-Landeschef Marcus Pretzell sprach daraufhin von „Unfug“, der mit der AfD nichts zu tun habe.

Noch weiter ging der Co-Bundesvorsitzende der Partei, Jörg Meuthen, der von einer „inhaltlichen wie politischen Torheit“ sprach. „Seine Ausführungen sind sachlich unsinnig, entbehren wissenschaftlicher Substanz und laden zu Fehldeutungen als rassistische Aussagen geradezu ein.“ Rückendeckung bekam Höcke dagegen von AfD-Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg und der „Patriotischen Plattform“, einem nationalkonservativen Netzwerk von AfD-Mitgliedern.

Höcke hatte im vergangenen Monat seinen Widerstand gegen den Zuzug von Flüchtlingen mit Argumenten begründet, die er selbst als „populationsökologisch“ charakterisierte. Er sprach dabei von einem „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“ und von einem „Bevölkerungsüberschuss“ Afrikas. Am Reproduktionsverhalten der Afrikaner werde sich nichts ändern, falls man weiter so viele Leute aufnehmen würde, sage Höcke in seinem Vortrag.

Meuthen empfahl Höcke, nun „dringend in sich zu gehen und sich in seinen öffentlichen Auftritten künftig deutlich zu mäßigen“. Höckes Äußerungen seien „dem Erscheinungsbild unserer Partei in der Öffentlichkeit alles andere als dienlich“.

Poggenburg, der auch Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist, wandte sich via Twitter gegen den Rassismus-Vorwurf seines Parteikollegen Pretzell und erklärte: „Aber wir gehen bei @Höcke doch jetzt nicht von 'rassischer Ideologie' aus, oder!?“ Poggenburg bestritt zudem eine Distanzierung der Parteispitze von Höcke. Bei Twitter betonte er, „dass es überhaupt keine Rüge vom Bundesvorstand gibt“.

Die selbsternannten AfD-Patrioten griffen die Parteispitze frontal an: In einer mit der Überschrift „Björn Höcke ist unser Mann“ betitelten Mitteilung erklärte der Vorstand der „Patriotischen Plattform“, nicht Höckes Afrika-Aussagen seien das Problem, „sondern die Art und Weise, wie das gesamte politisch-mediale Establishment und Teile der eigenen Partei darauf reagieren“. Und: „Wer einem Parteifreund, der für seine aufrichtige patriotische Politik medial im Feuer steht, in den Rücken fällt, der ist keine Alternative für, der ist eine Alternative gegen Deutschland.“

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