Höhenflug der FDP
Liberale erreichen in Umfrage magische „18“

Die FDP hat mit 18 Prozent erstmals in einer Umfrage ihr hochgestecktes Ziel aus dem Wahlkampf 2002 erreicht. Der liberale Höhenflug geht zulasten der Union, wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa analysiert. Demnach findet ein Austausch im bürgerlichen Lager statt: Bürger, die jetzt zur FDP wechseln würden, hätten früher die Union gewählt.

BERLIN. Es gibt Wochen wie diese, an die sich Guido Westerwelle gerne erinnern wird. Die Demoskopen ermitteln für die FDP bundesweit die magische Prozentzahl 18. Und am Freitag wird der Kanzlerkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, in Berlin eine Biographie über Westerwelle mit dem Titel „...und das bin ich!“ vorstellen. Ein gemeinsamer Auftritt von Steinmeier und dem FDP-Chef – so viel liberale Signale gab es selten in so wenigen Tagen.

Beide Ereignisse werden wohl Bundeskanzlerin Angela Merkel mächtig ärgern. Die FDP raubt in den Umfragen nicht nur der Union die Stimmen, weil die Christdemokraten es nach Ansicht vieler versäumt haben, sich als wirtschaftspolitische Kraft in der Krise zu behaupten. Die Liberalen beginnen trotz aller Beteuerungen zu schwarz-gelber Treue mit der SPD zu flirten.

Die Idee, Steinmeier solle eine nicht-autorisierte Biographie über Westerwelle präsentieren, entsprang freilich nicht den Köpfen der Politiker oder der Wahlkampfstrategen von FDP und SPD. Bereits vor Monaten überlegte sich der Olzog-Verleger Reinhard Möstl, wie er die Biografie am besten vermarkten könne. Er fragte zunächst bei Westerwelle selbst an und danach gemeinsam mit ihm im Büro Steinmeier. Monatelang ging es hin und her, vor allem, weil das Lager um den Wirtschaftsfreund Steinmeier keinen Ärger mit der Parteilinken provozieren wollte. Dann aber, keine zwei Wochen ist es her, sagte Steinmeier zu. „Das ist für uns ein Glücksfall“, jubiliert die Marketingchefin Patricia Fritsch-Lange.

„Es gab eine Anfrage, wir haben es besprochen und entschieden“, heißt es im Beraterstab Steinmeiers. Auf die Frage, was das bedeute, heißt es lapidar, alles was man tue, sei ein Signal. Die Buchvorstellung sei jedenfalls nicht der Beginn eines sieben Monate währenden Schmusekurses. „Im Wahlkampf kämpft jeder für sich allein.“

Westerwelle gab sich jedenfalls nach dem gestrigen Umfrageergebnis von 18 Prozent bescheiden: „Wir bleiben auf dem Teppich. Auch die Umfragezahl zwischen 17 und 19 Prozent lässt uns nicht abheben“, sagte der FDP-Chef. Grund für die Demut der Liberalen sind Bedenken, durch ein zu forsches Auftreten in der Wählergunst wieder zu verlieren. Böse in der Erinnerung sind die Wahlen im Jahr 2002 und 2005. In beiden Fällen führte Schwarz-Gelb in den Umfragen haushoch. In beiden Fällen landeten die Liberalen aber auf den Oppositionsbänken.

Der Aufwärtstrend der Liberalen ist trotzdem unverkennbar, wie der Handelsblatt Business-Monitor zeigt, eine exklusive Umfrage des Marktforschungsunternehmens Psephos im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. unter knapp 800 Führungskräften. Auf einer Skala von eins („sehr gut“) bis fünf („sehr schlecht“) erhält der FDP-Chef inzwischen die Bewertung 2,8. Noch bei der letzten Umfrage im November war er mit 3,3 beurteilt worden, ein Jahr zuvor sogar mit 3,7. Die Leistung der gesamten Partei bewertet die Wirtschaftselite aktuell mit 2,9 nach 3,4 im November.

Anders als die Liberalen profitieren prominente Mitglieder der Bundesregierung nicht von der Krise – im Gegenteil: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD) stehen zwar jeweils mit der Note 2,7 besser da als Westerwelle. Aber alle drei haben in den vergangenen Monaten an Ansehen unter den Führungskräften verloren.

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