Höhere Beiträge
Kassen machen unerwartet Überschuss

Die großen, gesetzlichen Krankenkassen haben das vergangene Jahr mit einem deutlichen Überschuss abgeschlossen. Weil die Beiträge gegen den Trend unerwartet stark zugenommen haben, können die Krankenkassen nun ein Finanzpolster für das Krisenjahr bilden.

BERLIN. Die gesetzlichen Krankenkassen haben das vergangene Jahr trotz Wirtschaftskrise mit einem unerwartet hohen Überschuss von weit über einer Milliarde Euro abgeschlossen. Dies ergibt sich aus ersten Meldungen der großen Kassen. Danach erzielten TK, Barmer und DAK mit insgesamt rund 20 Millionen Versicherten ein Plus von rund 571 Mio. Euro. Die Ortskrankenkassen mit 24 Millionen Versicherten meldeten gestern einen Überschuss von 811 Mio. Euro. Gegen den Trend meldeten bislang nur die Innungskrankenkassen ein leichtes Minus von 100 Mio Euro. Die Betriebskrankenkassen wollen ihre Zahlen nicht diese Woche vorlegen.

Das dritte Quartal hatten die Krankenkassen noch mit einem Minus von 1,49 Mrd. Euro abgeschlossen. Noch im Dezember hatte Gesundheitsminister Ulla Schmidt (SPD) deshalb für das Gesamtjahr nur ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet. Die im vierten Quartal geflossene zweite Rate des Bundeszuschusses von 1,25 Mrd. Euro an die Kassen kann den Umschwung im vierten Quartal nur teilweise erklären. „Uns haben vor allem die Lohnerhöhungen im vergangenen Jahr und die in vielen Unternehmen wieder in voller Höhe ausgezahlten Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld geholfen“, sagte AOK-Sprecher Udo Barske dem Handelsblatt.

Je Mitglied stiegen die beitragspflichtigen Löhne bei der AOK im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent, nachdem sie 2007 nur um 0,1 Prozent zugelegt hatten. Ähnlich sieht es auch bei anderen Kassen aus. Einige von ihnen, wie die Technikerkrankenkasse hatten zudem vorsorglich die Beiträge erhöht.

Für die Versicherten sind die Überschüsse eine gute Nachricht. Denn die Kassen können das Finanzpolster, soweit es wie bei den Ortskrankenkassen nicht in den Schuldenabbau fließt, einsetzen, um den Versicherten Zusatzbeiträge zu ersparen. Sie werden fällig, wenn die Ausgaben einer Kasse stärker steigen als die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds. Sie betragen insgesamt 167 Mrd. Euro und werden zusätzlich zu den in 2008 erzielten Überschüssen gezahlt. Für konjunkturbedingte Einnahmeausfälle des Fonds haftet der Bund mit einem Darlehen.

Da die Höhe der Zuweisungen aus dem Fonds sich auch nach dem Anteil kranker Versicherter bei einer Kasse richtet, suchen derzeit vor allem Kassen mit vielen gesunden Mitgliedern und entsprechend geringeren Einnahmen nach Fusionspartnern. Insgesamt sank deshalb seit Januar die Zahl der Kassen schon von 210 auf unter 200. Prominentestes Beispiel ist die TK. Sie schloss sich zum 1. Januar mit der IKK-Direkt zur größten bundesweiten Kasse mit 7,5 Millionen Versicherten zusammen.

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