Für 2007 hatte der Schätzerkreis im vergangenen Jahr einen Anstieg des so genannten Ausgleichsbedarfssatzes um fast 0,7 Prozentpunkte vorausgesagt. Prompt erhöhten die Kassen schon im Vorfeld der im April in Kraft getretenen Gesundheitsreform ihre Beiträge um durchschnittlich 0,6 Prozentpunkte. Die stärksten Beitragsanhebungen gab es damals bei den Ortskrankenkassen. Sie verfügen auch deshalb derzeit mit einem Überschuss von rund 610 Mill. Euro über das größte Finanzpolster unter allen Kassenarten. Die Ersatzkassen schlossen das dritte Quartal dagegen mit einem Minus von rund 95 Mill. Euro ab. Noch größer war der Fehlbetrag mit über 800 Mill. Euro bei den Betriebskrankenkassen.
Zum Jahresende dürften, so Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zwar alle Kassen wieder schwarze Zahlen schreiben – Dank der inzwischen überwiesenen zweiten Rate des Zuschusses aus der Tabaksteuer von 1,25 Mrd. Euro und der Zusatzeinnahmen durch die Kassenbeiträge auf das meist mit dem Novembergehalt ausgezahlte Weihnachtsgeld. Doch vor allem bei etlichen der 183 Betriebskrankenkassen dürfte die Finanzdecke dünn bleiben, so dass die Experten bei dieser Kassenart am ehesten Beitragserhöhungen erwarten.
„Wir haben derzeit zwei gegenläufige Effekte: Einerseits kommen mehr Menschen in Arbeit und die Löhne steigen. Das führt zu mehr Einnahmen bei den Krankenkassen. Andererseits steigen die Ausgaben - allein im Oktober betrug der Anstieg der Arzneimittelausgaben 14,5 Prozent,“ sagte dazu BKK–Sprecherin Ann Hörath. Je nachdem welcher dieser Effekt in den nächsten Monaten durchschlage, würden die Beiträge stabil bleiben oder eher steigen. „Es ist ohne Zweifel Druck im Kessel, aber wir halten so lange wie möglich den Deckel drauf. Niemand will steigende Beiträge, aber nicht immer lassen sie sich vermeiden.“


