Höhere Steuern
Grüne wollen Fußballstars schröpfen

Bezahlen große deutsche Fußballclubs wie Bayern München zu hohe Spielergehälter? Ja, meint ein Wissenschaftler und fordert einen Gehaltsdeckel. Die Politik halt davon wenig. Die Grünen haben einen anderen Vorschlag.
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BerlinDie Finanzministerin von Schleswig-Holstein, Monika Heinold (Grüne), nimmt Spitzenverdiener im deutschen Fußball ins Visier. „Wir brauchen keine Gehaltsdeckel für einzelne Branchen, sondern höhere Steuern für Gehaltsmillionäre“, sagte Heinold Handelsblatt Online. „Einem Ribéry, der bei Bayern München kolportierte zehn Millionen Euro jährlich verdienen soll, tut eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent mit Sicherheit nicht weh.“ Im Gegenteil: „Gerade mit einem Ferrari fährt es sich nicht gut auf Schlaglochpisten“, sagte die Ministerin und fügte hinzu: „Ohne ausreichende Steuereinnahmen wird sich aber der Sanierungsstau unserer Infrastruktur nicht auflösen lassen.“

Heinold reagierte auf Äußerungen des Direktors des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus F. Zimmermann, der angesichts einer wachsenden wirtschaftlichen Diskrepanz zwischen reicheren und ärmeren Clubs auch in der deutschen Bundesliga eine Neuregelung für Spitzengehälter im Fußball angeregt hatte. „Bevor der europäische Spitzensport seinen Konzentrationsprozess noch weiter fortsetzt und einige wenige Vereine mit allen Titeln davonlaufen, sollten wir aus dem Beispiel Amerika lernen. Dort werden die Grundprinzipien der Fairness nachhaltig mit den Grundsätzen des freien Marktes verbunden“, schrieb Zimmermann in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. In den US-Profiligen gibt es Gehaltsgrenzen, wird das Gehaltsbudget der Clubs gedeckelt.

Mit Blick auf Deutschland stelle sich die Frage, „inwieweit Bayern München und Borussia Dortmund nicht zu dominant geworden sind und ob sich dieser Trend aufgrund ihrer Marktmacht beim Spieleraufkauf nicht noch weiter fortschreiben wird. Das würde dem echten Wettbewerb in der Bundesliga nicht gut tun“, meint der IZA-Direktor. Immerhin hätten die beiden Mannschaften seit dem Jahr 2000 insgesamt zehn Meisterschaften errungen sowie zahlreiche weitere Titel. Gleiches gelte auch europaweit.

Der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing bezweifelte, ob die Einführung von Maxilöhnen tatsächlich zu mehr Fairness und Wettbewerbsgleichheit in der Bundesliga führe. „Gerade das Bemühen der Vereine um die besten Spieler sorgt dafür, dass die Bundesliga spannend bleibt und auch auf internationaler Ebene konkurrenzfähig ist“, sagte der Bundestagsabgeordnete Handelsblatt Online.

Vor einigen Jahren habe sich Borussia Dortmund noch in einer finanziellen Krise befunden, jetzt spiele die Mannschaft in der Spitze. „Das zeigt deutlich, sportlicher Erfolg ist nicht nur eine Frage von Spielergehältern und Vereinsbudgets“, betonte Wissing. „Gleichmacherei macht den Sport nicht spannender, sondern eher eintöniger.“ Das letzte was die Liga brauche sei ein Bundesliga Tarifvertrag nach dem Vorbild des Öffentlichen Dienstes.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Verehrter Wolfsfreund, eine faszinierende Idee: Grüninnen und Grüne landen im Massenselbstmord, um die Umwelt zu schonen, ich sehe schon die noch brutaler als sonst verzerrten Gesichter der Renate Künast und des Jürgen Trittin oder die verzerrte Flußpferdmaske der Claudia Roth : Leider nur eine weit entfernte Fiktion: Grüninnen und Grüne sind bodenständiger als Sie glauben - nehmen Sie den Gründer von "Manufaktum" und die Tatsache, daß deren Klientel, soweit sie nicht ökonomische Sonnenanbeter und Windmüller sind, zu den energieverbrauchenden Monstern in den Villenvierteln unserer Städte gehören, die diese Partei in der Form eines modernen Ablasshandels brauchen, weil sie doch irgendwie ihr schlechtes Gewissen spüren. Aber in einem haben Sie in Ihrer Kurzanalyse vollkommen Recht: Echte Grüninnen und Grüne können am Ende nur in einer Parteiendiktatur in der Form radikaler Sekten überleben, die einer ihrer Führer auch anführt.
    Mit freundlichen Grüßen von der AfD
    Klaus Peter Kraa

  • "Die Finanzministerin von Schleswig-Holstein, Monika Heinold (Grüne), nimmt Spitzenverdiener im deutschen Fußball ins Visier. „Wir brauchen keine Gehaltsdeckel für einzelne Branchen, sondern höhere Steuern für Gehaltsmillionäre“, sagte Heinold Handelsblatt Online. "

    Man könnte auch anders denken.

    Lassen sie uns den Steuersatz an den produzierten Schweiß koppeln. Wer bei seiner Arbeit nicht schwitzt zahlt 100 % Steuer auf die Einnahmen. Abgeordnete, die während einer ganzen Legislaturperiode nicht schwitzen, verlieren ihren Anspruch auf Pension.

    Das Schwitzen ist jedoch um das Schwitzen wegen schlechter Klimaanlagen in den behördlichen Gebäuden ebenso zu bereinigen wie um den Angstschweiß vor Wählern.

    Als Schweiß wird damit das Schwitzen aus Abgeordnetentätigkeit im engeren Sinne verstanden.

  • "Wieso muss es die Multikulti- und Umweltsünderpartei wiedermal alles besser wissen !

    Laßt uns Bürger unseren FREIRAUM, macht endlich eine seriöse, qualifizierte POLITIK ! "
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    Wo kämen wir denn hin, wenn der Bürger frei denken oder gar entscheiden könnte? GrünInnen wissen *grundsätzlich* alles besser (auch wenn sie mit einem abgebrochenen Theater- oder Theologiestudium null Ahnung von irgend was Relevantem haben) und weisen obendrein ein widerliches, penetrantes Sendungsbewußtsein und Helfersyndrom auf. Eigenständig denkende Menschen, die obendrein noch über einschlägiges Fachwissen verfügen und sich selber ein Urteil bilden können, können diese besserwissenden, zwanghaft gängelnden Weltverbesserer nicht ertragen! Was diese Partei will, sind indoktrinierte Automaten, die kritiklos alles auslöffeln, was ihnen als Öko- und Multikultibrei vorgesetzt wird. Ich sehe den Grundcharakter der GrünInnen schon an der Grenze zum Stalinistischen/Totalitären! In den frühen 70ern prägte der SF-Autor D. Keith Mano in "Die Brücke" den Begriff "Ökologisten" und beschrieb ein grün dominierte Alptraumwelt, die am Ende in den erzwungenen Massenselbstmord der Menschen mündete, um die Umwelt zu schonen. Letzteres ist natürlich eine schriftstellerische Zuspitzung, aber irrationales Verhalten ist bei den GrünInnen m.E. durchaus zu erkennen.

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