Höhere Stromkosten
Atomausstieg kostet Verbraucher 32 Milliarden Euro

Schwarz-Gelb will möglichst schnell raus aus der Atomkraft. Der Preis dafür ist hoch: Deutschlands Stromrechnung steigt um 32 Milliarden Euro, sagt die offizielle Studie des Bundeswirtschaftsministeriums. Mindestens.
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BerlinDas geplante schnellere Aus für die Kernkraft in Deutschland erhöht die Stromrechnungen für Privatkunden, Handel, Gewerbe und Industrie bis 2030 um insgesamt 32 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI), des Prognos-Instituts und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS), die dem Handelsblatt vorliegt. Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Studie in Auftrag gegeben.

Der beschleunigte Ausstieg führe zu steigenden Strompreisen, zur Verlagerung von Stromproduktion ins Ausland und zum vermehrten Import fossiler Energieträger, heißt es in der Studie. Die Autoren der Studie betonen, der Wert von 32 Milliarden sei als „Untergrenze der möglichen Entwicklungen zu sehen“. Mögliche weitere Kosten für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien, für den Netzausbau oder eine Verschärfung der EU-Klimaziele haben die Autoren nicht untersucht.

EWI, Prognos und GWS vergleichen die von der Bundesregierung Ende 2010 beschlossene Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre mit einem beschleunigten Ausstieg. Die Bundesregierung hatte Ende Juni mit den Beschlüssen zur Energiewende die Laufzeitverlängerung aus dem vergangenen Jahr zurückgenommen und beschlossen, bis 2022 vollständig auf die Stromerzeugung aus Kenerkraftwerken in Deutschland zu verzichten.

Besonders hart wird die Industrie von dem schnelleren Aus für die Kernkraft getroffen: „Der Stromkostenanstieg kann für den Betrieb einzelner stromintensiver Anlagen gravierende Konsequenzen haben“, schreiben die Autoren der Studie. Stromintensive Wertschöpfungsketten seien vor allem langfristig und durch die Kumulation verschiedener Kosteneffekte bedroht.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Wie lange stand - vor dem Verängerungsbeschluss von 2010 - wie lange stand das Ausstiegsdatum von 2022 bereits gesetzlich fest? - Haben sich die Stromkonzerne auf dieses Ausstiegsdatum vorbereitet? Oder war die Devise: "Weiter so! Wir werden den demokratischen Willen erfolgreich ignorieren und das SPD-Ausstiegsdatum schon mit schwarz-gelber Zustimmung kippen können!" -
    Und jetzt ist man von dem überhasteten Ausstieg zum jahrelang bekannten Datum völlig überrascht. - Mir kommen die Tränen, angesichts dieser verlogenen Heuchelei.
    Dr. Norbert Michel
    Hauptstrasse 35
    35444 Biebertal
    Tel. 06409 - 7787
    dr.michel.intermedia@t-online.de

  • Da all diese sogg. Experten und Institute der Politik zuspielen, teilweise auch vom Staat mitfinanziert werden sollte man deren "Analysen" kritsch betrachten
    Nur wirklich unabhängige Institute sagen die Wahrheit

  • Sehr gut.
    Deswegen werden ja Erfindungen, die hier gemacht wurden/werden, in Deutschland auch nicht mehr produziert.
    Unsere Wirtschaft kann nicht so genau erkennen wie dann der Gewinn ist und somit produzieren sie neue Erfindungen nicht.
    Da es nur noch nach Rendite geht.
    Ein größeres Armutzeugnis konnte Deutschland sich in den letztn 30 Jahren nicht ausstellen.
    Und heute fürchtet man China das enorm aufgeholt hat.
    Wir sind an diesr Aufholung selber Schuld

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