Hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Abriss in der strukturschwachen Uckermark
Deutschlands Nordosten blutet aus

Zuerst gehen immer die jungen Menschen. Rund zwei Millionen Bewohner hat der Osten Deutschlands seit der Wende 1989 verloren. 2001 lebten 13,7 Millionen in den neuen Ländern (ohne Ost-Berlin), 2020 werden es nach statistischen Berechnungen als Folge des Geburtendefizits und der Abwanderung nur noch 12,1 Millionen sein.

HB SCHWEDT. Arbeitsvermittlung, sagt die für die Uckermark zuständige Chefin der Arbeitsagentur Eberswalde, Anne-Katrin Bohle, ist für uns in erster Linie Mobilitätsberatung. Die Abwanderung der jüngeren Frauen und junger Fachkräfte beschleunigt die Abwärtsspirale: Die Geburtenzahlen und das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften werden in der Zukunft sinken. Während der „Speckgürtel“ um Berlin Wanderungsgewinne verzeichnete, kehrten der Uckermark von 1995 bis 2002 über 13 000 Menschen den Rücken.

Die Probleme, die die Entvölkerung mit sich bringt, sind nicht mehr zu übersehen. Die blühenden Rapsfelder der an Naturparks reichen Landschaft täuschen: Trotz niedriger Löhne und flexibler Arbeitskräfte standen im April in der Kreisstadt Prenzlau 8 100 Arbeitsuchenden nur 95 offene Stellen gegenüber, die Arbeitslosenquote betrug 30,5 Prozent, in der Tourismus- Hochburg Templin fast 27 Prozent. Selbst in der Industriestadt Schwedt an der Oder waren 22,4 Prozent ohne Arbeit. Fast jeder zweite Arbeitslose ist langzeitarbeitslos. Wer mobil ist, zieht weg.

Gestoppt ist das Ausbluten der Region noch nicht. Nach einer Prognose des statistischen Landesamtes wird die Einwohnerzahl der Uckermark bis 2020 von heute 145 000 auf 123 500 sinken. Der Bevölkerungsrückgang lässt die Kaufkraft sowie die Steuereinnahmen sinken und erschwert die Finanzierung der Infrastruktur. Der Landkreis hat bereits die ersten Schulen geschlossen, der Betrieb etlicher Kindergärten ist gefährdet. Das Schlagwort vom schleichenden Tod einer Region hören die politisch Verantwortlichen nicht gern. Aber die die wenigen Industrieansiedlungen, Pflege- und Altenheime sowie der Tourismus haben die Arbeitsplatzverluste in der vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Region nicht ausgleichen können.

Im Tourismus arbeiten 3 000 Vollzeit- und 2 000 Teilzeit- bzw. Saisonkräfte. Er konzentriert sich auf Templin, Boitzenburg und Lychen, weit genug entfernt vom „Kraftwerk Uckermark“, den 300 sich schon drehenden und weiteren 300 noch möglichen Windrädern.

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