Hohe Beiträge
Basistarif in der PKV wird sehr teuer

Eigentlich sollte der Basistarif in der Privaten Krankenversicherung die Versicherten entlasten: Durch den Wechsel in einen günstigeren Tarif sollte mehr im Portemonnaie bleiben. Doch der Wechel wird sich vermutlich nur für wenige lohnen: Der Basistarif wird wesentlich teurer als zunächst angenommen.

BERLIN. Der neue Basistarif in der privaten Krankenversicherung (PKV) wird sehr teuer werden. „Schon junge Versicherte, etwa ab Alter 30, müssen damit rechnen, ab 2009 den Höchstbeitrag von rund 590 Euro im Monat zahlen zu müssen,“ erklärte gestern der Direktor des PKV-Verbandes, Volker Leienbach. Als Grund führte er an, dass es dem Verband nicht gelungen sei, sich mit den zuständigen Verbänden von Ärzten und Zahnärzten auf Honorare für den neuen Tarif zu einigen, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Nach diesen Vorgaben soll der Basistarif anders als die normale Vollkostenversicherung in der PKV nicht nur im Leistungsvolumen, sondern auch bei der Höhe der Honorare der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. Für den Fall, dass PKV und Ärzteschaft sich bei den Honoraren nicht einigen können, sieht das Gesetz aber Vergütungen in Höhe des 1,8-fachen Satzes der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) bei ärztlicher Behandlung und des zweifachen Satzes der zahnärztlichen Gebührenordnung (GOZ) vor. „Diese Sätze liegen aber bis zum Zweifachen oberhalb der Vergütung in der gesetzlichen Versicherung“, sagte Leienbach. Entsprechend teurer werde nun der Basistarif ausfallen.

Belastet wird der neue Tarif auch durch die über 5 000 Nichtversicherten, die in den vergangenen Monaten von der mit der Gesundheitsreform geschaffenen Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, in einen Standardtarif der PKV einzutreten, der in der Höhe ebenfalls auf den Höchstbeitrag zur GKV begrenzt ist. Sie müssen zum 1. Januar in den neuen Basistarif überführt werden. Da die PKV jeden Versicherten ohne Risikoprüfung in den Standardtarif übernehmen musste, haben fast nur ältere und schon kranke Versicherte ihn gewählt. Sie verursachen laut PKV-Verband das Fünf- bis Sechsfache der Kosten eines Durchschnittsversicherten in der PKV, zahlen also nicht annähernd kostendeckende Beiträge. Das dadurch im Standardtarif entstehende Defizit muss in Zukunft, so steht es im Gesetz, von allen Basistarif-Versicherten gleichsam im Umlageverfahren mitgetragen werden. Auch dies werde dazu führen, dass der grundsätzlich nach Alter und Geschlecht zu staffelnde Preis des neuen Tarifs schon bei jungen Versicherten den Höchstbeitrag von 590 Euro erreicht, schätzt der Verband.

Die Bundesregierung dürfte über diese Entwicklung nicht erfreut sein. Sie hatte die PKV zur Schaffung eines Basistarifs verpflichtet, um zum einen Privatversicherten den Wechsel aus einer mit den Jahren zu teuer gewordenen Vollversicherung in einen preiswerteren Tarif zu ermöglichen. Außerdem kann sich im ersten Halbjahr jeder Versicherte einmalig für den Wechsel zu einem anderen privaten Versicherungsunternehmen entscheiden und dabei seine auf den Basistarif entfallenden Altersrückstellungen mitnehmen. Einzige Bedingung: Er muss für 18 Monate im Basistarif seiner neuen Versicherung bleiben. Der PKV-Verband erwartet nun, dass nur noch sehr wenige Versicherte von dieser befristeten Öffnung der PKV für einen Wechsel des Versicherers Gebrauch machen werden.

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