Hohe Gewinne werden nicht an Verbraucher weitergegeben
Grüne werfen Stromkonzernen Abzocke vor

Deutschlands Stromkonzerne müssen sich aus der rot-grünen Koalition den Vorwurf gefallen lassen, für ihr Produkt zu hohe Preise zu kassieren. „Abzocke trifft den Kern des Vorgangs“, sagte die Energieexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Michaele Hustedt.

HB BERLIN. Die Gewinne der Energieversorger explodierten schon seit drei Jahren in Folge, doch der private Verbraucher habe davon bislang in keiner Weise profitieren können, kritisierte Hustedt.

Das Bundesverbraucherministerium schlägt in die gleiche Kerbe: „Während die Stromkonzerne schöne Gewinne erwirtschaften, schauen die Verbraucher in die Röhre“, sagte Staatssekretär Matthias Berninger der „Berliner Zeitung“. Der Wettbewerb auf dem Strommarkt funktioniere noch nicht, betonte der Grünen- Politiker.

Nach Angaben des Bundes der Energieverbraucher (BdE) liegen die deutschen Strompreise im europäischen Vergleich an der Spitze. Nur der italienische Verbraucher zahle noch mehr.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) rechnet auch nach der Einrichtung einer Regulierung für Strom- und Gasnetze mit weiter steigenden Strompreisen. Selbst wenn die Netzdurchleitungsgebühren wie erwartet sänken, würden steigende Rohstoffkosten sowie höhere staatliche Abgaben langfristig zu höheren Strompreisen führen, sagte VDEW-Präsident Werner Brinker der Nachrichtenagentur dpa-AFX. „Eine Erosion wie 1998 wird es nicht geben.“

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will mit der Einrichtung einer Regulierung für Strom- und Gasnetze den Wettbewerb forcieren und dadurch die Preise senken. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) soll dieses Aufgabe ab Juli übernehmen.

Berninger forderte Erleichterungen für die Verbraucher beim Anbieterwechsel und eine bessere Markttransparenz für die Kunden. „Nicht überall wo Ökostrom drauf steht, ist auch Ökostrom drin.“ Er forderte die EU auf, einheitliche Kriterien zu entwickeln.

Auch die seit Monaten ungewöhnlich hohen Strompreise für Großkunden werden nach Ansicht des Vorstandschef des Stromversorgers Eon Energie, Johannes Teyssen, in naher Zukunft kaum sinken. Gründe seien gestiegene Preise für Kohle, Öl und Gas, eine deutliche Leistungsverknappung durch Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten, die europaweite Steigerung der Stromnachfrage und der hohe Anteil staatlicher Stuern und Abgaben, sagte Teyssen am Rande der Handelsblatt-Jahrestagung „Energiewirtschaft 2004“ in Berlin.

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