0 Bewertungen
08.03.2007 
Nach Dividendenurteil

Hohe Hürden für Steuererstattungen geplant

Nach dem Dividendenurteil des Europäischen Gerichtshofes freuen sich Anleger auf nachträgliche Steuergutschriften für Auslandswertpapiere. Doch so einfach will der Staat seine Einnahmen nicht wieder rausrücken. Aus dem Finanzministerium hieß es jetzt: Anleger müssen sich auf hohe Hürden einstellen.

Nach dem EuGH-Urteil: Das Finanzministerium sieht Kosten von bis zu fünf Milliarden Euro auf den Fiskus zukommen. Foto: dpaLupe

Nach dem EuGH-Urteil: Das Finanzministerium sieht Kosten von bis zu fünf Milliarden Euro auf den Fiskus zukommen. Foto: dpa

HB BERLIN. Die Nachweispflichten würden sicher anspruchsvoll ausgestaltet, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Mittwoch in Berlin. Anleger müssten voraussichtlich den Nachweis erbringen, dass sie Dividenden aus bereits versteuertem Gewinn der ausländischen Aktiengesellschaft erhalten hätten: „Es reicht nicht aus, die Dividende und den damaligen Steuersatz zu kennen.“

Die gleiche Regel habe seinerzeit auch für Dividenden aus deutschen Kapitalgesellschaften gegolten, sagte der Sprecher. Wie genau die Nachweispflicht aussehen werde, müssten Bund und Länder nun diskutieren. Es werde „keine Diskriminierung“ durch Sonderregelungen geben, aber „anspruchsvolle Nachweispflichten“.

Mitglieder des Bundestags-Finanzausschusses hatten zuvor berichtet, die Parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium, Barbara Hendricks, habe in dem Gremium klar gemacht, dass die Hürden für Steuererstattungen hoch gelegt würden. So sollten Belastungen für den Fiskus gering gehalten werden.

Der Gerichtshof hatte die frühere Ungleichbehandlung von Dividenden aus Beteiligungen an in- und ausländischen Firmen verworfen und den Weg für Entschädigungen freigemacht. Das Ministerium sieht dadurch Kosten von bis zu fünf Milliarden Euro auf den Fiskus zukommen. Bis Ende 2000 konnten Anleger die vom Unternehmen gezahlte Körperschaftsteuer bei der Besteuerung ihrer Dividenden geltend machen, allerdings nur bei deutschen Firmen. Damit sollte eine Doppelbesteuerung vermieden werden.

Finanzpolitiker der Opposition kritisierten, die Regierung wolle das Urteil des obersten europäischen Gerichtes über Verwaltungsvorschriften entkräften. So solle vermieden werden, dass Milliardenbeträge an zu hoch besteuerte Bürger zurückgegeben werden müssten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Die Regierung steht nicht über dem EuGH“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar