Holocaust-Mahnmal in Berlin eröffnet
Erinnerung an das Unfassbare

In Berlin ist das Holocaust-Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet worden. Bundestagspräsident Thierse würdigte den Bau als Bekenntnis des geeinten Deutschlands zu seiner Geschichte. Der Zentralrat der Juden äußerte aber auch Vorbehalte. Das Mahnmal entziehe sich jeder Aussage über die Schuldigen, so der Vorwurf.

HB BERLIN. Das Holocaust-Mahnmal in Berlin soll an „das entsetzlichste der Verbrechen Nazideutschlands“, die Vernichtung der Juden Europas erinnern, sagte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zur Einweihung des Denkmals. Der Bundestag habe sich mit seinem Beschluss für den Bau bewusst dafür entschieden, „dass sich dieses geeinte Deutschland zu seiner Geschichte bekennt.“

Keine andere Nation habe die Erinnerung an das „größte Verbrechen seiner Geschichte“ in das Zentrum seiner Hauptstadt gerückt. Er erwarte, dass das Mahnmal eine „große emotionale Kraft entfalten“ werde, betonte Thierse. An dem Festakt mit 1000 Gästen nahmen auch Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, teil.

Spiegel betonte seine Anerkennung und Wertschätzung für das gesamte Projekt, das er als Ausdruck der Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft betrachte. Er warnte jedoch davor, nach der Eröffnung die authentischen Gedenkstätten zu vernachlässigen. „Das Mahnmal selbst entzieht sich der Frage nach dem 'Warum' und enthält sich jeder Aussage über die Schuldigen wie auch über die Ursachen und Hintergründe der Kriegskatastrophe“, sagte Spiegel.

In den „Ort der Information“, der das Mahnmal ergänze, würden nicht alle Besucher kommen. „Auch aus diesem Grund wäre es wünschenswert gewesen, die Motive der Täter im Denkmal selbst zu thematisieren und damit eine unmittelbare Auseinandersetzung mit Tat und Täter zu ermöglichen“, so Spiegel weiter. Die Aussage des Mahnmals sei damit unvollständig geblieben.

Der Präsident des Zentralrats unterstützte zudem die Forderung anderer Opfergruppen nach öffentlichen Orten des Gedenkens. Spiegel sagte, es dürfe keine Abstufung individuell erlittenen Leids geben. Es wäre daher „geradezu skandalös, wenn die Gedenkstätten langfristig einen Preis für die Errichtung des „Holocaust-Mahnmals“ zu zahlen hätten.“

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