Honorar-Affäre

Bochumer Stadtwerke beerdigen Promi-Talk

Bei einer Aufsichtsratssitzung wurde auf personelle Konsequenzen an der Konzernspitze vorerst verzichtet. Derweil kündigte der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an, sein 25.000-Euro-Honorar doch noch spenden zu wollen.
Update: 08.11.2012 - 18:12 Uhr 11 Kommentare

Kein Geld in Bochum – außer für Gauck und Co.

DüsseldorfIn einer karitativen Bochumer Einrichtung knallen demnächst die Sektkorken. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat nämlich angekündigt, das umstrittene 25.000-Euro-Honorar für seinen Vortrag bei den Stadtwerken Bochum nun doch für gemeinnützige Einrichtungen spenden zu wollen. Wie am Donnerstag aus SPD-Parteikreisen bestätigt wurde, bat Steinbrück die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD), ihm drei Adressen von sozialen Einrichtungen zu nennen, an die er das Geld anteilig überweisen könne.

Steinbrück beharrt jedoch darauf nicht gewusst zu haben, dass das Honorar für seinen Auftritt beim „Atrium-Talk“ gespendet werden sollte. Dennoch müsse er anerkennen, dass es in der Auseinandersetzung auch „eine andere Wahrnehmung als bei mir“ gegeben habe. Er hoffe jetzt durch die Spende ein Zeichen für ein „gütliches“ Ende gesetzt zu haben.

Auch das kommunale Unternehmen hatte zuletzt eingeräumt, dass es keine diesbezüglichen Vereinbarungen mit dem Redner gegeben habe, weshalb der Aufsichtsrat am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkam. Äußerst hitzig soll es bei dem Treffen zugegangen sein, berichten Teilnehmer.

Zwei Stunden wurde getagt, dann waren die meisten Fragen gestellt – doch nur wenige ausreichend beantwortet. Immerhin fielen zwei Entscheidungen: Die Vortragsreihe „Atrium-Talk“ wird eingestampft, das Stadtwerke-Personal vorerst geschont. Personelle Veränderungen bei den Stadtwerken seien nicht geplant, sagte Ottilie Scholz, nicht nur Oberbürgermeisterin sondern auch Aufsichtsratsvorsitzende, nach der Sitzung.

Damit wird eine Veranstaltung beerdigt, die zu ihrem Start im Februar 2008 vom Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Wilmert noch als „Leuchtturmprojekt, das unser Engagement auch in der Region bekannt macht und Bochums gesellschaftliche Wertschätzung nach außen trägt“ gefeiert worden war. Mindestens 90.000 Euro steckte der Konzern zweimal jährlich in das Event, mit dessen Charity-Charakter öffentlich geworben wurde. Zu den Rednern des Promi-Treffs zählten Altbundespräsident Dr. Richard von Weizsäcker, Joachim Gauck, der bei seinem Auftritt noch nicht das Amt des Bundespräsidenten bekleidete, und eben der heutige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der sich bei seinem Bochum-Besuch von Werner Hansch interviewen lassen durfte.

Nur zwei von acht Rednern haben Geld gespendet
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11 Kommentare zu "Honorar-Affäre: Bochumer Stadtwerke beerdigen Promi-Talk "

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  • Ich verstehe nicht, daß man einem solch verdienstvollen Mann wie Herrn Steinbrück nicht die Ehrendoktorwürde verleiht:

    "Dr.hc honorar.raff."

    Immerhin rackert sich der Mann bei öden Stadtwerken ab und referiert in der Höhle des Löwen, den Bankstern, die er nach seiner Machtübernahme schurigeln will.
    (Vielleicht geben sie ihm deswegen ein hohes Unterlassungshonorar?)

    Notfalls könnte man ihm auch zum "Bundes-Chef-Grußmann" machen. Für den Amtierenden bliebe ja noch die Seelen-Arbeit in der Schloss-Kapelle.

    Dort stünde auch für beide ein wunderbares Redner-Pult zur Verfügung:
    Die Kanzel und sogar noch ein Klingelbeutel!



  • Pack schlägt sich, Pack verträgt sich...Pack schiebt sich untereinander die Gelder zu.....besonders wenn es das Geld der Steuerzahler ist!!!

  • Was kann Herr Steinbrück den Leuten von den Stadtwerken erzählen, was die nicht wissen und wenn er so gut ist, warum wählt man ihn nicht in den Vorstand, dann hätte er ausgesorgt und bräuchte sie nicht mit der Öffentlichkeit rum ärgern und wir wären ihn los. Denn ein Sozialdemokrat ist er in meinen Augen nicht.

  • Wie so oft hat das Volk in seiner Einschätzung von Personen sehr gute Antennen. Ein Weizäcker weiss, dass er als Ex-BP gut versorgt ist und spendet daher viele seiner Vorträge. Daher auch sein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Glaubt irgend jemand, dass sich Wulff in ähnlicher Situation ebenso verhalten hätte? Den heutigen Politikern in vorderster Front würde etwas mehr Demut sehr gut zu Gesicht stehen, unabhängig von dem was gerade noch legal ist. Nicht immer Wasser predigen und selbst nach den Weinschläuchen greifen.

  • Hallo Foristen,
    ist ja schön, dass ihr euch gegenseitig immer eure
    Meinung bestätigt.Der Zweck ist eindeutig klar.
    Schädigung des Kandidaten.Obs was bringt?
    Keiner glaubt mehr daran, dass die FDP in den Bundestag
    kommen wird. Keiner glaubt daran, dass die CDU je die
    absolute Mehrheit erreichen wird.Die Beliebtheit von
    Frau Merkel ist bei 60 %, ihre Partei liegt bei 37 %.
    Da muß man schon sehr optimistisch sein, um daran zu
    glauben,dass Frau Merkel Kanzlerin bleiben kann.
    Koalitionspartner muss man mit einem sehr großen
    Fernrohr suchen,allein man wird sie nicht finden.
    Was fehlender Realitätssinn bedeuten kann, haben eure
    Freunde der Reps gerade in den USA erleben dürfen.
    Also schön weitermachen in Ergüssen.

  • Der gute Peer wird diese Spende natürlich von der Steuer absetzen. Netto kommt fast das gleiche heraus wie bei Versteuerung einer Einnahme in dieser Höhe.

  • Muß Steinbrück wohl ziemlich schwer gefallen sein die 25.000 Euro wieder herauszurücken, sonst hätte er vor ein paar Tagen nicht den Veranstaltern des "Atrium-Talk" mit juristischen Schritten gedroht.
    Nun immerhin jetzt scheint er es kapiert zu haben, wenn auch reichlich spät.

  • Ich habe am letztn Wochenede kommentiert,

    "Na zumindest der nächste Schachzug für Herr Steinbrück muß der sein, auf seine 25.000 Euro zu verzichten und den Betrag wie allgemein üblich bei "Atrium-Talk", dem eigentlichen Zweck, nämlich einer wohltätigen Organisation zuzuführen. Hätte er schon längst machen sollen, aber Steinbrück versteht nichts von politisch-strategischer ..." .

    Hat also immerhin 4 Tage gedauert bis bei Peer der Groschen gefallen ist.
    War das nun seine Idee oder mußte er zu der nachträglichen Spende gedrängt werden?
    Werden wir wohl nie erfahren.

  • Eine Spende macht aus Genossenfilz keinen Perserteppich.

  • Ob der Edelsozialist Steinbrück nun nachträglich sein Honorar spendet ist völlig belanglos. Denn es geschieht erst auf massivsten öffentlichen Druck hin und in gewisser Hinsicht ausschließlich zur Schadensbegrenzung und somit beileibe nicht freiwillig. Bei diesen üppigen Nebeneinkünften könnte Herr Steinbrück so er Bundeskanzler wird zumindest auf einen Gutteil der Kanzlerbezüge zum Wohle Deutschlands verzichten.

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