Honorar-Affäre
Bochumer Stadtwerke beerdigen Promi-Talk

Bei einer Aufsichtsratssitzung wurde auf personelle Konsequenzen an der Konzernspitze vorerst verzichtet. Derweil kündigte der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an, sein 25.000-Euro-Honorar doch noch spenden zu wollen.
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DüsseldorfIn einer karitativen Bochumer Einrichtung knallen demnächst die Sektkorken. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat nämlich angekündigt, das umstrittene 25.000-Euro-Honorar für seinen Vortrag bei den Stadtwerken Bochum nun doch für gemeinnützige Einrichtungen spenden zu wollen. Wie am Donnerstag aus SPD-Parteikreisen bestätigt wurde, bat Steinbrück die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD), ihm drei Adressen von sozialen Einrichtungen zu nennen, an die er das Geld anteilig überweisen könne.

Steinbrück beharrt jedoch darauf nicht gewusst zu haben, dass das Honorar für seinen Auftritt beim „Atrium-Talk“ gespendet werden sollte. Dennoch müsse er anerkennen, dass es in der Auseinandersetzung auch „eine andere Wahrnehmung als bei mir“ gegeben habe. Er hoffe jetzt durch die Spende ein Zeichen für ein „gütliches“ Ende gesetzt zu haben.

Auch das kommunale Unternehmen hatte zuletzt eingeräumt, dass es keine diesbezüglichen Vereinbarungen mit dem Redner gegeben habe, weshalb der Aufsichtsrat am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkam. Äußerst hitzig soll es bei dem Treffen zugegangen sein, berichten Teilnehmer.

Zwei Stunden wurde getagt, dann waren die meisten Fragen gestellt – doch nur wenige ausreichend beantwortet. Immerhin fielen zwei Entscheidungen: Die Vortragsreihe „Atrium-Talk“ wird eingestampft, das Stadtwerke-Personal vorerst geschont. Personelle Veränderungen bei den Stadtwerken seien nicht geplant, sagte Ottilie Scholz, nicht nur Oberbürgermeisterin sondern auch Aufsichtsratsvorsitzende, nach der Sitzung.

Damit wird eine Veranstaltung beerdigt, die zu ihrem Start im Februar 2008 vom Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Wilmert noch als „Leuchtturmprojekt, das unser Engagement auch in der Region bekannt macht und Bochums gesellschaftliche Wertschätzung nach außen trägt“ gefeiert worden war. Mindestens 90.000 Euro steckte der Konzern zweimal jährlich in das Event, mit dessen Charity-Charakter öffentlich geworben wurde. Zu den Rednern des Promi-Treffs zählten Altbundespräsident Dr. Richard von Weizsäcker, Joachim Gauck, der bei seinem Auftritt noch nicht das Amt des Bundespräsidenten bekleidete, und eben der heutige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der sich bei seinem Bochum-Besuch von Werner Hansch interviewen lassen durfte.

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Nur zwei von acht Rednern haben Geld gespendet

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  • Ich verstehe nicht, daß man einem solch verdienstvollen Mann wie Herrn Steinbrück nicht die Ehrendoktorwürde verleiht:

    "Dr.hc honorar.raff."

    Immerhin rackert sich der Mann bei öden Stadtwerken ab und referiert in der Höhle des Löwen, den Bankstern, die er nach seiner Machtübernahme schurigeln will.
    (Vielleicht geben sie ihm deswegen ein hohes Unterlassungshonorar?)

    Notfalls könnte man ihm auch zum "Bundes-Chef-Grußmann" machen. Für den Amtierenden bliebe ja noch die Seelen-Arbeit in der Schloss-Kapelle.

    Dort stünde auch für beide ein wunderbares Redner-Pult zur Verfügung:
    Die Kanzel und sogar noch ein Klingelbeutel!



  • Pack schlägt sich, Pack verträgt sich...Pack schiebt sich untereinander die Gelder zu.....besonders wenn es das Geld der Steuerzahler ist!!!

  • Was kann Herr Steinbrück den Leuten von den Stadtwerken erzählen, was die nicht wissen und wenn er so gut ist, warum wählt man ihn nicht in den Vorstand, dann hätte er ausgesorgt und bräuchte sie nicht mit der Öffentlichkeit rum ärgern und wir wären ihn los. Denn ein Sozialdemokrat ist er in meinen Augen nicht.

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