Honorarreform
Ärzteverband wirft Medizinern „Geiselnahme der Patienten“ vor

Im Streit über mehr Honorar erhalten Mediziner Gegenwind aus den eigenen Reihen: Der Verein demokratischer Ärzte wirft den Medizinern Geiselhaft der Patienten vor, die Kassenpatienten nur noch gegen Vorkasse behandeln. Der Vorsitzende Wulf Dietrich fordert Disziplinarmaßnahmen.

BERLIN. Die umstrittene Praxis mancher Mediziner, Kassenpatienten aus Protest gegen die Honorarreform nur noch gegen Vorkasse zu behandeln, stößt auch in den Reihen der Ärzteschaft zunehmend auf Widerstand. Der Verein demokratischer Ärzte (VDÄÄ) warf solchen Ärzten gestern vor, die Patienten in Geiselhaft zu nehmen. "Diese Geiselnahme der Patienten wirft ein trauriges, aber bezeichnendes Licht auf Moral und Ethikvorstellungen von Standesvertretern und Teilen der Kollegenschaft", sagte VDÄA-Chef Wulf Dietrich. Er forderte Disziplinarmaßnahmen gegen Ärzte, die Kassenpatienten nicht genügend versorgen, bis hin zum Entzug der Kassenzulassung.

Seit die Kassenärztlichen Vereinigungen im Zuge der Reform im Januar die ersten Honorarbescheide an die rund 130 000 Kassenärzte verschickt hatten, häufen sich die Beschwerden. "Über alle Kassen dürfte es inzwischen mehrere Tausend Fälle gegeben haben, in denen Mediziner entweder Vorkasse verlangt haben oder ihre Patienten auf das nächste Quartal vertröstet haben", sagte der Sprecher der Deutschen Angestelltenkrankenkasse, Jörg Bodanowitz. Die DAK zählte in einem Zeitraum von drei Wochen 1 500 Beschwerden von Versicherten.

Verbraucherschützer haben die Versicherten aufgefordert, unter keinen Umständen in Vorkasse zu treten, sondern Hilfe bei der Krankenkasse zu suchen: "Wir leiten die Namen der Mediziner dann an die zuständige KV weiter." In der Regel führe das zum Erfolg. "Nur in einigen Fällen in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein haben wir bislang zum härtesten Mittel greifen müssen, den Entzug der Kassenzulassung zu beantragen", so Bodanowitz.

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