Honorarreform
Kassenärzte wollen ihren Vorstand kippen

Der seit Jahren schwelende Streit zwischen Haus- und Fachärzten droht zu eskalieren: Die Kassenärzte wollen nächste Woche den Vorstand ihrer Bundesvereinigung absetzen. Vor allem Vorstandsvize Ulrich Weigeldt steht in der Kritik: Er soll bei der Umsetzung der Honorarreform einseitig Hausarztinteressen vertreten haben.

BERLIN. In der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hängt der Haussegen schief. 18 von 60 Delegierten der Spitzenorganisation der 147 000 Kassenärzte wollen auf der nächste Woche tagenden außerordentlichen Vertreterversammlung die Abwahl des Vorstands durchsetzen – eine Premiere in der über 50-jährigen Geschichte der KBV. Damit droht ein seit Jahren schwelender Machtkampf zwischen Haus- und Fachärzten zu eskalieren.

Unter Beschuss steht vor allem Vorstandsvize Ulrich Weigeldt. Der Hausarzt, der 2004 nur mit 26 Delegiertenstimmen in den zweiköpfigen Vorstand gewählt worden war, vertritt die Interessen der Hausärzte und das offenbar sehr viel effizienter, als es den Fachärzten lieb ist.

Als Chef des Hausärzteverbands wirkte er an der Gründung der hausärztlichen Vertragsgemeinschaft mit, die den 17 Unterorganisationen der KBV, den kassenärztlichen Vereinigungen, das Monopol streitig macht, die Ärztehonorare mit den Krankenkassen auszuhandeln und sie an die Ärzte zu verteilen. Ihre Chancen, an der KBV vorbei eigenständig mit den Krankenkassen Verträge über die Honorierung der hausärztlichen Versorgung zu schließen, wurde durch die Gesundheitsreform noch gestärkt.

Auch bei der Umsetzung der Honorarreform, die nach dem Willen des Gesetzgebers bis 2009 die heutige Gesamtvergütung durch eine echte Euro-Gebührenordnung ablösen soll, wird ihm vorgeworfen, einseitig Hausarztinteressen zu vertreten. Tatsächlich hat der Fachausschuss Hausärzte seinen Reformvorschlag schon fertig gestellt. 85 Euro sollen die Hausärzte danach pro Quartal für jeden Patienten als Pauschale erhalten, plus verschiedener Einzelleistungsvergütungen. Dies entspricht einer Erhöhung der Hausarzthonorare um sieben Mrd. Euro oder 71 Prozent.

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