Horst Köhler
"Ich wollte Schaden vom Amt abwenden"

Warum wollte Horst Köhler nicht mehr Bundespräsident sein? Im Interview mit der "Zeit" nennt er erstmals Gründe. Und er erklärt, warum ihm Afrika und das Schicksal der Flüchtlinge keine Ruhe lassen.
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Herr Bundespräsident, ein Jahr lang waren Sie von der Bildfläche verschwunden. Haben Sie Abstand zu den Turbulenzen um Ihren Rücktritt gefunden?

Ich führe seit einem Jahr wieder ein normales Bürgerleben. Ich bin mit mir im Reinen und genieße manche Dinge, die ich vorher nicht hatte. Ich bin gerade dabei, meine Pläne für die kommende Zeit zu strukturieren. Es ist insoweit alles im grünen Bereich.

Sie vermissen nichts?

Ich vermisse nichts.

Sind Sie auch bei guter Gesundheit?

Ja, auch das. Ich habe im Amt einen Rhythmus gehabt, der auch im physischen Sinne selbstbestimmt war. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, regelmäßig Sport zu machen, mindestens zweimal in der Woche, und auch Urlaube zu nutzen – ob beim Skifahren oder mit Bergtouren im Sommer –, um mich körperlich fit zu halten. Ich bin schon immer ein Frühaufsteher gewesen und habe keine Probleme, relativ lange zu arbeiten. Das Besondere dieses Amtes ist ja, dass man die Leute kennenlernt. Jeder Termin war für mich wichtig, weil ich erkannt hatte, dass jeder etwas zu sagen hat. Das war schon auch fordernd. Aber es gab für mich keine Notwendigkeit, in eine Art Regeneration zu gehen, weil ich erschöpft gewesen wäre.

Stimmt es Ihrer Erfahrung nach, dass es nichts Anstrengenderes gibt als den Beruf des Politikers?

Der Beruf ist anstrengend, besser: fordernd. Das für mich Anstrengende war: Wenn ich mit den Menschen geredet habe, dann habe ich mich immer bemüht, auf sie einzugehen. Zum traditionellen Neujahrsempfang des Bundespräsidenten etwa haben wir immer auch Bürger eingeladen. Wenn Sie 60, 80 Bürgern die Hand geben und mit ihnen auch nur ein oder zwei Minuten mit Interesse reden – später beim Mittagessen natürlich länger –, dann kostet das Kraft. Das ging in der Tat bis zur physischen Erschöpfung. Aber diesen Preis habe ich gern bezahlt.

Sie haben ja auch etwas zurückbekommen.

Ja, genau, das war das Schöne in meiner Zeit als Bundespräsident. Das möchte ich auch nicht missen. Ich schaue auf die Zeit nicht im Zorn zurück oder frage mich nur, was ich falsch gemacht habe. Es waren für mich Jahre, die mir etwas gegeben haben. Aber es ist nicht so, dass mir das fehlt.

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Kommentare zu " Horst Köhler: "Ich wollte Schaden vom Amt abwenden""

Alle Kommentare

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  • Horst Köhler war weder ein fähiger Technokrat noch ein fähiger Politiker. Erst hat er bei den Verhandlungen zum Vertrag von Maastricht versagt (Adieu D-Mark, adieu angemessener Nettobeitrag Deutschlands), dann bei der Finanzierung der Wiedervereinigung (Adieu ausgeglichener Haushalt). Zur Belohnung ist er von einem tollbezahlten internationalen Posten zum nächsten gehoben worden. Als Bundespräsident hat er schließlich den Bundestag aufgelöst, weil "wir immer älter werden und weil der Föderalismus sich überholt hat" - so zumindest hat er das vor Millionen Deutschen im Fernsehen erzählt.
    Reife Leistungen!

  • Wen interessiert das noch? Köhler ist als "Weichei-Präsident" abgetreten. Lübcke war wenigstens noch lustig! Der Neue (Wulff oder so ähnlich) ist ein steifer Stecken. Was der sagt interessiert auch niemanden. Gauck, ja, der wär's gewesen. So alles nur zum Gähnen...

  • Ich finde es schade, was der Ex-Bundespräsident Köhler als Begründung für seinen vorzeitigen Amtsverzicht angibt.
    Er hätte lieber weiter geschwiegen, mit einem solchen Interview, macht er seinen guten Namen in der Bevölkerung kaputt.
    Ob es die Wahrheit die ganze Wahrheit ist, kann der Bürger sowieso nicht nachprüfen.
    Also Herr alt Bundespräsident, genießen sie ihren Ruhestand, und schreiben die Wahrheit in ihren Memoiren.
    Danke

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