Horst Seehofer
CSU will auch ohne Obergrenze koalieren

Die Obergrenze für Flüchtlinge war ein Dauerbrenner der CSU – und galt bisher als Bedingung dafür, dass die Bayern einen Koalitionsvertrag unterschreiben. Das sieht Parteichef Seehofer nun aber nicht mehr ganz so streng.
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BerlinCSU-Chef Horst Seehofer setzt nach wie vor auf eine Obergrenze für Flüchtlinge - nennt sie aber nicht mehr ausdrücklich als Bedingung für eine Koalition nach der Bundestagswahl. „Die Situation hat sich verändert, der Kurs in Berlin hat sich verändert“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntag im Sommerinterview der ARD in Berlin. „Wir haben jetzt deutlich weniger Zuwanderung als zu dem Zeitpunkt, wo ich dieses Zitat gebracht hatte.“

Kurz vor Weihnachten 2016 hatte Seehofer der Deutschen Presse-Agentur in München gesagt: „Es wird eine Regierungsbeteiligung der CSU ohne eine Obergrenze von 200 000 für die Bundesrepublik Deutschland bei der Zuwanderung nicht geben.“ Hintergrund war der starke Flüchtlingszustrom im Herbst 2015.

CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine Obergrenze allerdings strikt ab. Erst Mitte Juli hatte sie - ebenfalls im ARD-Sommerinterview - gesagt: „Zur Obergrenze ist meine Haltung klar: Das heißt, ich werde sie nicht akzeptieren.“

Seehofer hatte die explizite Forderung nach einer Obergrenze in einem Koalitionsvertrag zuletzt öfter ausgelassen und die Union vor einem erneuten Streit über das Thema gewarnt. Nun sagte der Parteichef, er habe schon oft erlebt, dass Vorschläge der CSU erst abgelehnt worden seien und dann doch im Koalitionsvertrag gelandet seien. Über den Twitter-Account der CSU ließ er sich mit den Worten zitieren: „Wir garantieren, dass dieser Dreiklang kommt: Humanität, Integration, Begrenzung. Wenn ich das sage, gilt das. #Obergrenze“.

Die CSU werde bei einer möglichen Regierungsbildung nach der Bundestagswahl dafür sorgen, dass das Erreichte für die Zukunft gesichert werde, sagte Seehofer im TV-Interview. In ihrem eigenen Wahlprogramm für die Bundestagswahl, dem „Bayernplan“, fordert die CSU eine Obergrenze von 200 000 neuen Flüchtlingen pro Jahr.

Dieses Jahr werde die Obergrenze wohl gar nicht erreicht, sagte Seehofer weiter. Alleine „die politische Existenz“ dieses Instruments habe die Situation verändert. „Damit bin ich zufrieden.“ Es werde ein Regelwerk zur Bekämpfung von Fluchtursachen, Integration und der Begrenzung der Zuwanderung vereinbart werden.

Es gehe nun erst mal darum, eine Wahl zu gewinnen, sagte Seehofer. Die CSU werde garantieren, „dass die jetzt erreichte Situation auch in den nächsten Jahren erhalten wird, die niedrige Zuwanderung, und dass sich das Jahr 2015 sich nicht wiederholen wird“.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte dem „Tagesspiegel“ (Montag): „Für Horst Seehofer ist Politik nur Taktik. Er spielt mit Themen. Und er spielt mit Menschen.“ Die SPD kämpfe dafür, „dass die CSU der nächsten Bundesregierung nicht mehr angehört“.

Die Grünen haben eine Obergrenze ausdrücklich zum Ausschlusskriterium für eine Koalition nach der Bundestagswahl gemacht. „Die Obergrenze ist und bleibt verfassungswidrig“, sagte Bundestagsfraktionschef Katrin Göring-Eckardt am Sonntag. „Die Union betreibt das gleiche Spiel wie 2013 mit der Maut. Der Wähler weiß nicht, was er bekommt: Die Obergrenze mit Seehofer oder keine Obergrenze, wie Merkel es versprochen hat.“

Der bayerische Landeschef Eike Hallitzky erklärte: „Mit seinem wahltaktischen Hin und Her versucht Seehofer einmal mehr, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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