Horst Seehofer und die Nachfolge: Der Königsmacher

Horst Seehofer und die Nachfolge
Der Königsmacher

Wer Bayerns Ministerpräsident Seehofer beerben will, muss sich in Wildbad Kreuth in Stellung bringen. Das hat Ilse Aigner mit ihrem Energie-Vorstoß getan – und musste klein beigeben. Die anderen Kronprinzen lauern.
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DüsseldorfSie streiten sich. Kronprinzessin Ilse Aigner und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Eigentlich verstehen sich die beiden gut, immerhin ist Bayerns Wirtschaftsministerin eine von den „Alphatieren“, wie CSU-Chef Seehofer seine potentiellen Nachfolger nennt. Doch nun hängt der Haussegen schief – und zwar in Sachen Energiewende. Und das während des Treffens in Wildbad Kreuth, wo die Partei doch eigentlich Geschlossenheit demonstrieren und sich auf das Wahljahr einstimmen will.

Im Streit zwischen Seehofer und Aigner geht es um die Kosten der Energiewende, Aigner will den Anstieg der Strompreise bremsen. Sie will, dass Stromkunden nur noch einen Festbetrag für erneuerbare Energien leisten, die weiteren Kosten sollen über einen Fonds per Kredit finanziert werden. Mit ihrem Vorschlag tritt Aigner als Ministerin das erste Mal so richtig in Erscheinung. Doch Seehofer kontert: Das sei Finanzierung auf Pump. Dann gibt Aigner am Abend klein bei, ihr Vorschlag „wird derzeit nicht weiter verfolgt“, sagt sie. Doch wegen des Streits musste der CSU-Chef seine für heute geplante Rede in Kreuth auf Mittwoch verschieben. Alles nur wegen der aufmüpfigen Aigner.

Sie ist wohl die einzige der potenziellen Nachfolger, die sich beim „Erlöser am ehesten Eigenmächtigkeiten leisten kann, wie es sich im Streit um die Energiewende andeutet“, sagt Politikwissenschaftler und CSU-Mitglied Heinrich Oberreuter. Der „Erlöser“, das ist Seehofer für die CSU. „Niemand war in der Partei jemals so unangreifbar“, sagt Oberreuter „nicht Franz Josef Strauß, nicht Edmund Stoiber“. Seehofer, der Unbesiegbare. Denn „schließlich hat Seehofer seine Mission erfüllt und die CSU aus den tiefen Tälern der Wahl von 2008 geführt“, sagt der Experte. Doch weil Aigner einen so guten Stand in ihrem Wahlkreis hat und außerdem ihr Amt im Bund aufgegeben hat, lässt Seehofer ihr ein wenig Aufmüpfigkeit wohl durchgehen.

Dabei will Seehofer nur eins: „Er will nur in Ruhe herrschen“, sagt Oberreuter. Das ist der Grund dafür, dass er sich auf eine Nachfolge nicht festlegen will. Nicht auf einen Termin, erst Recht nicht auf einen Nachfolger. Obwohl sich Aigner und Co. längst in Stellung bringen, sagte Seehofer in einem Interview, sein Nachfolger werde erst bis zur Bundestagswahl 2017 feststehen. Und doch hat der Ministerpräsident gleich sechs potenzielle Namen schon lange zuvor in die Runde geworfen.

Kommentare zu " Horst Seehofer und die Nachfolge: Der Königsmacher"

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  • Man muss aufpassen, dass Seehofer nicht der Erdogan der CSU wird. Unangreifbar? Das ist niemand , wenn es eine Demokratie gibt. Aber die gibt es weder im Bund noch in Bayern, alles wird geführt auf Zucht , Fraktionszwang und Alleinentscheider. 1200 Jahre Machtfülle in Einzelhänden, kann auch eine sogenannte Demokratie von gerade mal 64 Jahren nicht erbringen. Alles noch Azubis!

  • C S U
    SEEHOFER - AIGNER
    .................
    versuchter königsmord auf bayerisch..!!
    ..

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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