Horst Seehofer vor Wiederwahl
Der Wendehals

Bei der Bayernwahl ist noch alles möglich – wenn auch nicht wahrscheinlich. Weil Ministerpräsident Seehofer sein Fähnchen nach dem Wind dreht, könnte die CSU wieder allein regieren. Mit Folgen für die ganze Republik.
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Kulmbach„Diese wunderschöne bayerische Natur lasse ich nicht planlos verspargeln.“ Das hört sich ganz nach Horst Seehofer an. Es ist ja auch von ihm, Bayerns Ministerpräsident bekräftigte seine Meinung beim TV-Duell mit SPD-Herausforderer Christian Ude zum Thema Windräder. Heißt konkret: Der Abstand der Windräder soll nun das Zehnfache der Höhe eines Windrades haben. Nur dass der selbsternannte „Architekt der Energiewende“ noch vor kurzem anderer Meinung war. Nun rudert er wieder zurück. Der Grund: besorgte Bürger.

Diese Hundertachtziggrad-Wendung ist bei weitem nicht die einzige. Horst Seehofer dreht sein Fähnlein nach dem Wind. Studenten wehren sich gegen die Studiengebühren? Seehofer schafft sie ab. Der jahrelange Streit um den Donaukanal-Ausbau stößt beim Volk auf Ablehnung? Kein Problem für Seehofer, nun ist er dagegen. Auch für den Ausbau der Ganztagsschulen, einem Konzept, das als Idee der Sozis gilt, lobt sich Seehofer beim TV-Duell.

Nun also die Windräder. Die Menschen fürchten die Lärmbelästigung? Seehofer fordert prompt größeren Abstand zu Wohngebieten. Bei einem 200 Meter hohen Windrad sollen das zwei Kilometer sein. Damit bringt er die Windenergie-Branche gegen sich auf. Der Windenergie „den Boden entziehen“ nennt SPD-Kontrahent Ude diese Politik. Doch was soll's? Seehofer: „Wir wollen Windkraft, aber wir wollen auch unsere wunderschöne Landschaft nicht beeinträchtigen oder gar beschädigen.“

Im Bundesrat wurde das Thema erst einmal von der Tagesordnung genommen. Wegen der Sommerferien hätten nicht genügend Bürger informiert werden können. Doch vom Tisch sind Bayerns Pläne deshalb nicht. „Es gibt eine goldene Regel in der Bibel: Man soll anderen nichts zumuten, was man anderen nicht zugemutet haben möchte“, sagt Seehofer.

Trotz Widersprüche: Seehofer scheint sein Kuschel-Konzept richtig gewählt zu haben. Die aktuellen Umfragen belegen es: Die CSU könnte nach der Wahl am 15. September sogar wieder alleine regieren. Zurzeit liegt die Partei – je nach Umfrageinstitut – bei 47 oder 48 Prozent – und damit über den 43 Prozent von 2008. SPD, Grüne und Freie Wähler kämen zusammen auf nur 38 bis 39 Prozent. Was macht es da schon, dass die CSU an Profil verliert? Angela Merkel macht es bundesweit ja ganz ähnlich.

Kommentare zu " Horst Seehofer vor Wiederwahl: Der Wendehals"

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  • Momentan der einzige Politiker, der richtigen Wahlkampf betreibt und darüber hinaus auch einen guten Job macht. Alle linken Hetzer werden in Bayern mit Pauken und Trompeten untergehen.Bayern ist als einziges Bundesland politisch auf dem richtigen Weg. Was Linksbündnisse und sonstige Konsorten anrichten kann man in Berlin und BW bestaunen.

  • Was schert es eine deutsche Eiche, wenn sich eine S.. dran wetzt.

  • Der Neid auf Bayern ist immer noch die ehrlichste Art der Anerkennung. Darum weiterhin erfolgreich mit Horst Seehofer!

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