Hort Mahler auf der Flucht Vom RAF-Mitbegründer zum Holocaustleugner

Linksextrem, rechtsextrem - und ein Stück deutscher Geschichte. Horst Mahler saß zuletzt wegen Volksverhetzung in Haft. Jetzt ist der 81-Jährige auf der Flucht.
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Der deutsche Rechtsextremist Horst Mahler im Jahr 2008 im Landgericht in Potsdam. Quelle: dpa
Horst Mahler

Der deutsche Rechtsextremist Horst Mahler im Jahr 2008 im Landgericht in Potsdam.

(Foto: dpa)

BerlinAlt, krank, isoliert - und immer noch für eine Schlagzeile gut: Der einstige Mitbegründer der linksterroristischen Rote Armee Fraktion und spätere Rechtsextremist Horst Mahler hat sich durch die Flucht einer neuen Haftstrafe entzogen. Er werde seiner Ladung zum Haftantritt am Mittwoch nicht nachkommen, sondern „in einem aufnahmebereiten, souveränen Staat um Asyl bitten“, kündigte der 81-Jährige in einer im Internet verbreiteten Videobotschaft an.

Von ganz links nach ganz rechts: Die Biografie Mahlers ist mit ihren Sprüngen und Widersprüchen auch ein Spiegel der deutschen Geschichte. 2009 hat der Film „Die Anwälte“ von Birgit Schulz das Leben des einstmaligen Starjuristen und seiner ehemaligen Mitkämpfer Otto Schily und Hans-Christian Ströbele in die Kinos gebracht. Aber während Ströbele seit den 70er Jahren seinen linken Überzeugungen treu blieb und Schily zum oft angefeindeten SPD-Innenminister aufstieg, wurde Mahler zum Volksverhetzer und Holocaust-Leugner.

Was bei der RAF bis zur Selbstauflösung geschah
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Verena Becker: Mehr als 30 Jahre nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback ist die frühere Terroristin der Rote-Armee-Fraktion (RAF) - hier ein 1975 von der Polizei herausgegebenes Foto - unter dringendem Tatverdacht festgenommen worden. Becker soll 1977 an dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback in der Karlsruher Innenstadt beteiligt gewesen sein, teilte die Bundesanwaltschaft am 28. August 2009 in Karlsruhe mit. Im Dezember 2009 wurde der Haftbefehl aufgehoben, da nach Ansicht des Bundesgerichtshofs (BGH) keine Fluchtgefahr besteht. Foto: ap

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Der Sohn des Opfers, Michael Buback, hofft nun, dass die vollständige Wahrheit ans Licht kommt und der Fall in einem neuen Prozess aufgerollt wird. Foto: ap

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Generalbundesanwalt Siegfried Buback wurde am 7. April 1977 vom RAF-"Kommando Ulrike Meinhof" erschossen. Dabei wurden auch sein Fahrer und ein Polizist getötet. Wegen des Anschlags wurden die RAF-Terroristen Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt als Drahtzieherin verurteilt. Gegen Becker, die am 3. Mai 1977 verhaftet worden war, wurde ebenfalls ermittelt, das Verfahren wurde aber trotz eines verbleibenden Tatverdachts 1980 eingestellt. Foto: ap

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Polizisten decken nach dem Attentat in Karlsruhe die Leiche von Generalbundesanwalt Buback ab. Er war in seinem Auto von einem vorbeifahrenden Motorrad aus erschossen worden. Foto: ap

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Der Anschlag auf Buback war minutiös vorbereitet. Ins kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik hat sich jener 7. April, der Gründonnerstag des Jahres 1977, als Beginn des blutigsten Terrorjahrs in ihrer Geschichte eingeschrieben. Foto: dpa

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Mehr als zwei Jahrzehnte lang war die Rote Armee Fraktion (RAF) der Inbegriff von Terror, Gewalt und Mord in Deutschland. Ihrem 'bewaffneten Kampf' gegen das "imperialistische System" fielen mehr als 30 Menschen zum Opfer - darunter hohe Repräsentanten von Wirtschaft und Politik. Vorläufer der RAF war die nach dem Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und der Journalistin Ulrike Meinhof benannte Baader-Meinhof-Gruppe. Im Juni 1972 wurden die führenden Köpfe der Gruppe verhaftet. Das Bild von 1968 zeigt die Terroristen der "ersten Generation" (v.l.) Thorwald Proll, Horst Söhnlein, Andreas Baader und Gudrun Ensslin im Prozess um die Brandanschläge auf zwei Frankfurter Kaufhäuser. Foto: dpa

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Die Bleistiftzeichnung eines Gerichtszeichners zeigt die Angeklagten (l-r) Jan-Carl Raspe, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof im Gerichtssaal. Mit der Verurteilung der drei Terroristen zu lebenslanger Haft ging der erste große Prozess gegen RAF zu Ende. Der Zweite Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart sprach am 28. April 1977 Baader, Ensslin und Raspe des Mordes und versuchten Mordes in mehreren Fällen schuldig. Nach fast zwei Jahren Verhandlungsdauer sah es das Gericht als erwiesen an, dass die drei Angeklagten Anfang der siebziger Jahre vier Menschen getötet hatten. Außerdem hatten sie laut Urteil versucht, 34 weitere Menschen umzubringen. Foto: dpa

Nachvollziehbar war sein Wechsel ins rechtsradikale Lager für kaum jemanden. 1969 verteidigte er die Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und Gudrun Ensslin und gründete wenig später mit ihnen die RAF. 1970 wurde Mahler in Berlin verhaftet und später wegen Beteiligung an verschiedenen Banküberfällen mit terroristischem Hintergrund zu insgesamt 14 Jahren Haft verurteilt.

Im Gefängnis distanzierte er sich von seiner terroristischen Vergangenheit. Er gewann den damaligen Juso-Vorsitzenden und späteren SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Verteidiger. 1980 kam Mahler nach zehn Jahren Haft frei. 1987 wurde er mit Hilfe von Schröder wieder als Anwalt zugelassen.

Gut 10 Jahre später ist er im rechtsextremen Lager angekommen. Er veröffentlicht eine „Flugschrift an die Deutschen, die es noch sein wollen, über die Lage ihres Volkes“ und gründet eine nationale Bürgerbewegung „Für Unser Land“. Die Bewegung ruft dazu auf, sich ihr anzuschließen, „damit Deutschland deutsch bleibt“. Im Jahr 2000 tritt er der NPD bei, vertritt später die NPD vor dem Verfassungsgericht. Im gescheiterten Verbotsverfahren steht Mahler noch einmal seinem einstigen Kollegen Schily gegenüber.

Den Holocaust nennt Mahler „die gewaltigste Lüge der Weltgeschichte“, mehrfach wird er wegen Volksverhetzung von deutschen Gerichten verurteilt - zuletzt vom Landgericht Potsdam. Seit 2009 verbüßt er eine zehnjährige Haftstrafe. Im Sommer 2015 erhält er wegen einer schweren Erkrankung Haftverschonung, nach Medienberichten leidet er an Diabetes. Ende 2016 wurde die Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung wieder aufgehoben, weil Mahler im Gefängnis weitere rechtsextreme Publikationen verfasst haben soll.

Am Mittwoch hätte er zum Haftantritt in Brandenburg/Havel erscheinen sollen. Das ARD-Magazin „Panorama“ berichtete unter Berufung auf einen Vertrauten Mahlers, der Gesuchte halte sich bereits im Ausland auf.

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1 Kommentar zu "Hort Mahler auf der Flucht: Vom RAF-Mitbegründer zum Holocaustleugner"

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  • Links oder rechts, das Ziel war immer das Gleiche - sich von der Schuld los zu reißen. Erst zeigen dass man alles tut den Holocaust Faschisten zu bekämpfen. Weil das nicht schön endete, leugnet man den Holocaust. Logisch. Er ist dem Ziel immer treu geblieben. Leider war seine Methoden nie von denen der Faschisten zu unterscheiden und die Schuld häuften sich nur an.

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