HRE-Buchungspanne
Schäuble soll längst eingeweiht gewesen sein

Finanzminister Wolfgang Schäuble weiß nach Informationen des Handelsblatts schon seit Anfang Oktober von der 55-Milliarden-Euro-Fehlbuchung der Hypo Real Estate. Den Verantwortlichen könnten Konsequenzen drohen.
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BerlinWie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, werden die Vorstandschefin der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE), Manuela Better, und Christian Bluhm, Vorstand der von der HRE abgespaltene Bad Bank FMS, schon Montag mit dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einer Telefonkonferenz sprechen. Für Mittwoch wurde eine Besprechung mit Verantwortlichen der HRE-Bad Bank FMS Wertmanagement, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC, der Finanzmarktstabilisierungsanstalt sowie der HRE anberaumt.

Eine der größten Buchungspannen aller Zeiten wurde erst vergangene Woche öffentlich. Finanzminister Schäuble weiß aber bereits seit Anfang Oktober von der Fehlbuchung über 55,5 Milliarden Euro, hieß es aus Regierungskreisen. Dennoch gab Schäubles Ressort erst Sonntagabend eine Erklärung ab. „Die Bilanzen von Gesellschaften werden nicht vom Bundesfinanzminister, sondern von den Gesellschaften und Wirtschaftsprüfern aufgestellt und testiert“, hieß es darin. Man weiße alle Vorwürfe zurück.

Die Opposition greift Schäuble scharf an. Die SPD dringt auf lückenlose Aufklärung durch den Minister. „Das ist kein Betrag, den die schwäbische Hausfrau in einer Keksdose versteckt und vergisst“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Schäuble sei für die Bank verantwortlich. „Der unbefangene Beobachter gewinnt den Eindruck, dass das Finanzministerium angesichts immer neuer Rettungspläne völlig die Übersicht verloren hat.“ Auch Grüne und Linke forderte Aufklärung. Linke-Fraktionsvize Ulrich Maurer sprach von einem „weiteren Glied in einer langen Kette finanzpolitischer Fehlleistungen der Bundesregierung“.

Mysteriöse Doppelbuchungen

Der Milliardenbetrag war durch fehlerhafte Doppelbuchungen seit dem vergangenen Jahr bei der HRE-Bad-Bank, die FMS Wertmanagement heißt, entstanden. 2010 beliefen sich diese auf 24,5 Milliarden Euro, 2011 auf 31 Milliarden Euro, teilte das Finanzministerium mit. Der Fehler führt dazu, dass die zuviel verbuchten 55,5 Milliarden Euro die deutschen Staatsschulden mit einem Schlag um 2,6 Prozentpunkte auf 81,1 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung fallen lassen. Im Prinzip wurden im Computersystem Addieren und Subtrahieren verwechselt, so wurden etwa steigende Kursgewinne bei Papieren als Verlust verbucht und erhaltene Sicherheiten nicht von den Verbindlichkeiten abgezogen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft der FMS Wertmanagement, Price Waterhouse Coopers (PwC), hat nach eigenen Angaben erst in diesem Jahr Kenntnis von den Bilanzfehlern erhalten. Die Bad Bank habe wesentliche Teile der Rechnungslegung an einen externen Dienstleister ausgelagert, hieß es in einer PwC-Stellungnahme am Sonntagabend. Unter Berücksichtigung dieses Tatbestands hätten sich keine Anhaltspunkte für Fehler im Jahresabschluss zum 31. Dezember 2010 ergeben.

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  • Diesen unglaublichen Fehler mit Buchhaltungspannen erklären zu wollen, halte ich schon für reichlich naiv.
    Er gehört eher in die Kategorie "Südpolexpedition am Nordpol gelandet. Der Irrtum wurde erst bemerkt, nachdem ein Teilnehmer von einem Eisbären gefressen wurde."
    Er belegt einmal mehr eindrücklich, dass die "Wirtschaftsexperten" in der Krise jegliche Orientierung verloren haben. Sie taumeln wie eine verirrte Karawane in der Wüste von Fata Morgana zu Fata Morgana und immer wieder rufen einige "Wir sind am Ziel. Da vorne ist Timbuktu..."
    Den "Experten" scheint jegliches Verständnis für einfachste mathematische und logische Zusammenhänge abhanden gekommen zu sein - wenn es denn je vorhanden war. Zur Lösung der Krise bedarf es vor allem gesunden Menschenverstands und moralischer Integrität. Beides lassen die Akteure vollständig vermissen.
    Der Fehler bei der FSM lässst nur zwei Schlüsse zu:
    Entweder sind alle Beteiligten völlig inkompetent und sofort rauszuschmeißen oder es liegt ein bewusster Manipulationsversuch vor. Dieser wäre strafrechtlich zu untersuchen.
    Auf weitere Entwicklungen darf man gespannt sein. Ich ahne allerdings nichts gutes.

  • Ich teile Ihre Aussagen.

    und lass das mal so stehen....

    Vieles was hier kommentiert wurde, mag im Ursprung vollkommen korrekt und sollte die Regel sein. Aber hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die letztendlich zu diesem Ergebnis geführt haben.

    Wie ein Vorredner schon gesagt hat, die die Bescheid wissen sind Verbrecher, dann bin ich halt einer^^

  • Herrn oder Frau VVV,

    sorry, mir leuchtet Ihre Erklärung nur sehr bedingt ein. Wenn ein WP von einer Materie nichts oder nicht genug versteht, darf er den Auftrag nicht annehmen. Das ist einer der wichtigsten Berufsgrundsätze der WPs.

    Wenn ein wesentliches Risiko nicht abschätzbar ist, muss das Testat eingeschränkt werden. Hierfür gibt es präzise Regeln. Dem Leser soll erkennbar gemacht werden, dass bestimmte Bereiche nicht abschließend einzuschätzen sind.

    Ein Nicht-Zugriff auf die IT eines Dienstleisters lässt sich in einem so wesentlichen Fall aber auf keinen Fall entschuldigen.

    Von Herrn Dr. Winkeljohann (Vorstandsprecher von PWC) stammt die Aussage:

    "Wir müssen in Zukunft viel stärker das Risikomanagement unserer Mandanten im Auge haben. Dabei dürfen wir uns nicht nur auf standardisierte Verfahren wie Ratings verlassen. Wir müssen stärker hinter die Fassade gucken und neben dem Risikomanagementsystem auch das Geschäftsmodell des Mandanten verstehen"

    Mit der Aussage "Kleine Prüfungsgesellschaften haben nur noch als Boutiquen in bestimmten Nischen eine Überlebenschance" äußert sich Winkeljohann abfällig über die fachliche Kompetenz kleiner und mittelständischer WP-Praxen. Er vermittelt den Eindruck, dass nur die großen WP-gesellschaften über das erforderliche Fachwissen verfügen.

    Offenbar hat er vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr gesehen.

    Es ist ein schwerer Kunstfehler, zu testieren, ohne Zugriff auf die wesentliche IT-Struktur eines so wichtigen bereichs zu haben. Dieses hätte - ganz unabhängig von der schwierigen und neuen Materie - niemals passieren dürfen.

    Hier liegt, jedenfalls nach dem derzeitigen Informationsstand , offenbar ein gravierender Verstoß gegen die Prüfungsvorgaben des IDW und auch die internationalen Prüfungsstandards vor.

    Ob man den Fehler dann erkannt hätte oder nicht, ist eine zweite Frage

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