Hunderttausende betroffen
Tarifverhandlungen für Metallindustrie vertagt

Die Metall-Tarifrunde im Südwesten ist eingeläutet. Noch sind die Positionen weit voneinander entfernt. Höhe und Laufzeit des neuen Tarifvertrags sind die Knackpunkte im traditionellen Pilotbezirk.
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EsslingenDie Tarifgespräche für die 740.000 Beschäftigten der Metallindustrie im Südwesten sind am Donnerstag in Esslingen vertagt worden. Der Arbeitgeberverband wies die Forderung der IG Metall nach 5,5 Prozent mehr Lohn zurück. Sie sei der wirtschaftlichen Lage nicht angemessen. „Das erste Quartal ist bei vielen Unternehmen sehr holprig angelaufen“, sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf. Die Produktion sei noch nicht auf Vorkrisenniveau. Und die Hoffnung auf einen Aufschwung im zweiten Halbjahr 2013 stehe auf tönernen Füßen. Die Gewerkschaft betreibe „Schönfärberei“.

IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann verwies auf die guten Erträge der Mehrzahl der Metallunternehmen im Jahr 2012. „Unsere Forderung in diesem Jahr überfordert die Unternehmen auch nicht.“ Ein Abschluss müsse Impulse für die Kaufkraft setzen, um die Inlandsnachfrage zu stabilisieren.

Ein zu hoher Abschluss birgt aus Sicht der Arbeitgeber jedoch die Gefahr, dass nach einem Aufbau von 60.000 Arbeitsplätzen seit der Krise ein Teil der Produktion ins Ausland verlagert wird. Steigende Arbeitslosigkeit werde die Binnennachfrage gerade nicht ankurbeln. Die Aussage von IG-Metall-Bundeschef Berthold Huber, er erwarte bei der Metall-Tarifrunde einen Abschluss oberhalb von drei Prozent, sei im Arbeitgeberverband mit seinen 1.000 Mitgliedern im Südwesten „verhalten und eher pessimistisch“ aufgenommen worden.

IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann betonte: „Wenn wir Beschäftigung halten wollen, müssen die Kapazitäten ausgelastet werden, und dafür braucht es mehr Nachfrage.“ Er fügte hinzu: „Guter Lohn heißt sichere Beschäftigung.“

Große Differenzen bestehen auch bei der Laufzeit. Während Südwestmetall einen Tarifvertrag von fast zwei Jahren abschließen will, pocht die Gewerkschaft auf einen Abschluss für zwölf Monate. Hofmann sagte, eine Diskussion über längere Laufzeiten werde eine zügige Runde verhindern. Die Gewerkschaft hofft, dass die Arbeitgeber schon in der zweiten Runde am 19. April in Ludwigsburg ein Angebot vorlegen. Dann könne man sich vor Pfingsten auf einen Abschluss verständigen. Nach Angaben von Wolf wird gerade an einem Lösungsvorschlag gearbeitet, der zu „gegebener Zeit“ präsentiert werde.

Wenige Tage zuvor waren die Gespräche für die Bezirke Mitte und Bayern ohne Annäherung zu Ende gegangen. Im vergangenen Jahr hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft im traditionellen Pilot-Tarifbezirk Baden-Württemberg auf eine Lohnerhöhung von 4,3 Prozent verständigt. Der Abschluss war von der gesamten Branche mit derzeit bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten übernommen worden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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