Hunger
Biosprit-Stopp soll Lebensmittelpreise senken

Im Kampf gegen die weltweit drastisch steigenden Lebensmittelpreise werden auch in Deutschland die Rufe nach einer Agrarwende lauter. Vor allem die Produktion von Biosprit gerät immer heftiger in die Kritik. Auch die Uno warnt vor zunehmenden Hungerrevolten.

HB BERLIN/NEW YORK/ACCRA. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) legte am Montag einen „Neun-Punkte- Plan“ vor, der unter anderem einen vorübergehenden Stopp der Verwendung von Getreide und Ölfrüchten zur Produktion von Agrartreibstoffen vorschlägt. Auch Agrarminister Horst Seehofer (CSU) bekräftigte seine Forderung einer Wende der Agrarpolitik. Der einzige Ausweg aus der Krise sei eine höhere Nahrungsmittelproduktion.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte mit Blick auf die Lebensmittelpreise vor einer Eskalation der Gewalt. „Wenn wir diese Krise nicht richtig angehen, könnte sie eine Kaskade von anderen auslösen“, sagte Ban am Sonntag bei der Eröffnung der 12. Uno-Konferenz zu Handel und Entwicklung (Unctad) in der ghanaischen Hauptstadt Accra.

Der Preisindex für Nahrungsmittel stieg nach Zahlen der Welternährungsorganisation (Fao) von März 2007 bis März 2008 um 57 Prozent. Darauf verwies das Entwicklungsministerium. Bei Reis habe die Steigerung allein in den vergangenen beiden Monaten 75 Prozent und bei Weizen im vergangenen Jahr 120 Prozent betragen.

Der Anstieg treffe vor allem die Ärmsten der Armen. Bereits heute litten 850 Millionen Menschen an Hunger. Die Welthungerhilfe setzt zur Bekämpfung der Lebensmittelkrise vor allem auf eine wirtschaftlichere Nutzung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern. Die Vorsitzende Ingeborg Schäuble erklärte, die Lösung liege nicht darin, „dass wir im Norden Überschüsse produzieren und diese dann erneut zu billigen subventionierten Preisen in die Entwicklungsländer schicken“. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass so die Märkte dort und die Existenz vieler Kleinbauern zerstört würden.

Das Entwicklungsministerium bezeichnete es als „wichtigstes Ziel“, die Produktivität bei der Lebensmittelherstellung in den ärmeren Ländern möglichst umgehend deutlich zu steigern. Außerdem müsse am Ziel des endgültigen Abbaus von Exportsubventionen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) festgehalten werden. Dieser Vorschlag fand auch Anklang bei Seehofer.

Uno-Generalsekretär Ban forderte, die reichen Länder sollten ihre Agrarsubventionen überdenken. Es müsse neue Ideen geben, wie die ärmsten Länder am Wohlstand teilhaben könnten. Nirgends seien die Herausforderungen größer als in Afrika, sagte Ban und verwies darauf, dass einige Länder bereits begonnen hätten, den Export von Reis und Weizen einzuschränken. Die reichen Länder müssten die Versorgung der „Ärmsten der Armen“ mit Grundnahrungsmitteln sicherstellen. „Um der Lebensmittelkrise langfristig zu begegnen, muss die Produktion von Nahrungsmitteln gesteigert werden“, sagte Ban.

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