Hypo Real Estate
HRE: Bund sucht rasche Lösung mit Flowers

Die Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und dem Großaktionär der Hypo Real Estate, US-Investor J.C. Flowers, gehen in die nächste Runde. Im Finanzministerium hieß es, dass die Gespräche mit Flowers fortgesetzt werden. Viel Zeit bleibt den Beteiligten jedoch nicht.

BERLIN/MÜNCHEN. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen könnte eine Aufstockung des Eigenkapitals der Hypo Real Estate (HRE) bereits Anfang März notwendig werden. Bis dahin wünscht sich die Bundesregierung eine Einigung mit dem HRE-Großaktionär.

Auch Flowers drängt auf eine schnelle Lösung. "Wir glauben, dass man ohne Enteignung zu einer sinnvollen Lösung kommen kann. Flowers ist für weitere Gespräche offen. Derzeit gibt es keine Termine von der Regierung für eine Fortsetzung der Gespräche. Es besteht momentan auch kein Kontakt zur Regierung", sagte ein Sprecher des US-Investors. Grundsätzlich sei Flowers auch bereit, eine Verwässerung des eigenen Anteils hinzunehmen, sollte es dazu durch den Einstieg des Staates über eine Kapitalerhöhung kommen.

Die Hypo Real Estate wird derzeit mit Garantien und Kapitalspritzen von mehr als 100 Mrd. Euro künstlich am Leben erhalten. Im Umfeld der Bank geht man davon aus, dass spätestens bis Ende März, wenn die Bilanz aufgestellt werden muss, eine Lösung gefunden werden muss. Die Hypo Real Estate hat erheblichen Eigenkapitalbedarf. Ihr größtes Problem aber ist weiterhin die Refinanzierung. Dieses kann nach Einschätzung der Regierung nur gelöst werden, wenn sich die HRE nach einer Verstaatlichung zu den Konditionen einer Staatsbank Geld besorgen kann.

Nach Informationen des Handelsblatts droht die Kernkapitalquote der Bank wegen der erwarteten hohen Verluste ohne Kapitalzufuhr unter die regulatorische Mindestgrenze von vier Prozent auf nur noch 3,55 Prozent zu sinken.

Flowers hält zusammen mit einem Hedge-Fonds 24 Prozent an der HRE und könnte den geplanten Einstieg des Staates erheblich verzögern, falls er das Paket nicht verkaufen will. Der Bund strebt bei der HRE die volle Kontrolle an, um sie vor dem Aus zu bewahren. Finanzexperten warnen, dass der Kollaps des Instituts das internationale Finanzsystem ähnlich schwer erschüttern könnte wie die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst. Als letztes Mittel will der Bund deshalb eine Enteignung der Aktionäre nicht ausschließen.

Ein entsprechendes Gesetz hat das Kabinett gerade verabschiedet, es muss allerdings noch von Bundestag und Bundesrat abgesegnet werden. Die Forderung von HRE-Großaktionär Flowers, sich für drei Euro je Aktie vom Bund entschädigen zu lassen, lehnt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ab. Steinbrück fürchtet, dass er dann auch allen anderen Aktionären ein entsprechendes Angebot machen müsste, was seiner Meinung nach den aktuellen Marktwert der Bank erheblich übersteigen würde. saf/ax/hgn

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