Idee: Wochenarbeitszeiten nach dem Alter der Beschäftigten staffeln: Gewerkschaft skizziert Kompromissweg im öffentlichen Dienst

Idee: Wochenarbeitszeiten nach dem Alter der Beschäftigten staffeln
Gewerkschaft skizziert Kompromissweg im öffentlichen Dienst

Vor dem für Montag geplanten Spitzentreffen der Tarifparteien im öffentlichen Dienst zeichnen sich auf der Gewerkschaftsseite neue Kompromisslinien im Konflikt um längere Arbeitszeiten ab.

HB BERLIN. "Entscheidend ist, dass wir zu einem Gesamtpaket kommen, das den Interessen der Beschäftigten Rechnung trägt", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft DBB Tarifunion, Frank Stöhr, dem Handelsblatt (Montagsausgabe). "Die Arbeitszeit sollte dabei für beide Seiten kein Dogma sein", sagte Stöhr.

Die DBB Tarifunion, Schwesterorganisation des Beamtenbundes, ist mit 370 000 Mitgliedern nach Verdi die zweitgrößte Gewerkschaft im öffentlichen Dienst. Angesichts der verhärteten Fronten zwischen Verdi und den Arbeitgebern der Länder könnte ihr eine wichtige Brückenfunktion bei einer Lösung des Tarifstreits zukommen. Erstmals seit Beginn des Arbeitskampfes im öffentlichen Dienst vor zwei Wochen treffen sich am Montag die Spitzen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und der Gewerkschaften zu einem direkten Gespräch in Berlin. Neben Verdi-Chef Frank Bsirske nimmt auch Stöhr daran teil.

In dem Konflikt wollen die Gewerkschaften durchsetzen, dass die Länder eine für Bund und Kommunen bereits 2005 in Kraft gesetzte Tarifrechtsreform für ihre mehr als 800 000 Bediensteten übernehmen. Die TdL hat dagegen eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden zur Bedingung für einen Abschluss gemacht, was Verdi bisher strikt ablehnt. Aus Sicht der DBB Tarifunion ist die Arbeitszeit jedoch grundsätzlich verhandelbar und könne gegen Zugeständnisse der Arbeitgeber auf anderen Feldern abgewogen werden, erläuterte Stöhr. Dies betreffe unter anderem das Weihnachts- und Urlaubsgeld.

"Wenn man ein solches Gesamtpaket mit Geld bewertet und unterm Strich eine schwarze Null steht, wären wir zufrieden", sagte Stöhr. Er verwies darauf, dass eine Arbeitszeitverlängerung von 38,5 auf 40 Stunden aus Sicht der Beschäftigten Einbußen von vier Prozent entspreche. "Das bedeutet nicht, dass wir eine generelle Regelarbeitszeit von 40 Stunden akzeptieren", betonte der Gewerkschaftschef. Ein "interessanter Ansatz" sei allerdings die Überlegung, Wochenarbeitszeiten nach dem Alter der Beschäftigten zu staffeln.

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