Ifo-Präsident Sinn
„Wieder die gleichen Fehler“

Anders als viele seiner Kollegen scheut sich der Ökonom und Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn nicht davor, sich in tagespolitische Debatten einzumischen. Im Interview mit dem Handelsblatt warnt der 62-Jährige vor dem Einstieg in eine Transferunion und davor, ökonomische Gesetze zu ignorieren.
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Handelsblatt: Die Ereignisse überschlagen sich derzeit in Europa, was bleibt von 2010 für die Geschichtsbücher?

Hans-Werner Sinn: Hoffentlich nicht der Beginn der Transferunion Europas und damit der Schritt in eine neue Staatlichkeit, bei dem letztlich ein dauerhafter Ressourcentransfer aus Deutschland heraus institutionalisiert wird.

Sie wirken verdammt skeptisch. Warum?

Wenn wir die Schulden der Länder der südwestlichen Peripherie Europas vergemeinschaften, lassen wir unsere Kinder für den überzogenen Konsum bezahlen, den diese Länder sich in den vergangenen Jahren geleistet haben. Wir versündigen uns an unseren Nachkommen. Die Schuldenstände sind astronomisch.

Aber das ist doch der Sinn einer Staatengemeinschaft: Starke schützen Schwache. Nicht?

Es ist nicht ganz klar, was Stärke und Schwäche in diesem Zusammenhang heißt. Eine stetige finanzielle Hilfe für die Schuldenländer würde jedenfalls die Außenhandelsdefizite der Schuldenländer zementieren.

Aber es gibt keine Alternative, oder doch?

Doch, die gibt es. Die Länder, um die es geht, müssen sich gesundschrumpfen, weil sie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Der Ökonom spricht von einer realen Abwertung. Ohne eine längere Wirtschaftsflaute lassen sich die exzessiven Importe nicht schmälern. Um diese schmerzliche Erkenntnis werden auch die USA nicht herumkommen.

Fühlen Sie sich denn nicht als Europäer?

Doch natürlich, aber nicht im Sinne der Generation von Helmut Kohl, deren Position ich so karikieren würde: „Wir wissen ja, dass die Franzosen uns bei den Verhandlungen gerne über den Tisch ziehen, aber lassen wir ihnen doch die Freude. Wir machen stattdessen unsere Geschäfte.“ Die politische Bequemlichkeit, die sich so rationalisieren ließ, war vor dem Euro vielleicht noch tolerierbar, weil wir da noch stark waren. Die Zeit ist aber lange vorbei.

Was ist anders?

Sinn: Unter dem Euro sind seit 2002 zwei Drittel der Ersparnisse aus Deutschland abgeflossen, mehr als tausend Milliarden Euro. Mit dem bisschen Geld, das dann noch hierblieb, wurden wir bei der Investitionsquote zum Schlusslicht aller OECD-Länder und beim Wachstum neben Italien Schlusslicht aller europäischen Länder. Wir sind seit 1995 beim BIP pro Kopf vom dritten auf den zehnten Platz in Europa zurückgefallen. Wir gehören längst nicht mehr zu den stärksten Ländern.

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  • Wird die D-Mark schont gedruckt ??

  • Natürlich hat Prof. Sinn dahingehend recht, dass die Schuldenprobleme durch eine Transfergesellschaft nicht geklärt werden können.
    Haben wir mit unserem bund-/Länderfinanzausgleich nicht seit Jahren, nicht erst seit 1990, eine Transfergesellschaft, die ebenfalls das Problem nicht löst, wie Landesschulden, Gleiche Lebensbedingungen schaffen, und was uns noch alles unter diesem Aspekt seitens der Politik als alternativlos übermittelt wird. Die 12 Nehmerländer hängen doch seit Jahren an diesem Transfertropf, ohne das eine Ende zu erkennen wäre.
    Daher möglicherweise auch die Angst von Frau bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble, sich für Europa einen weiteren Geldabfluss zu Lasten der Steuerzahler leisten zu müssen.

  • Da sagt er nach Jahren endlich mal was
    vernünftiges - und zerhaut es im letzten
    Satz wieder. Unser Exportüberschuß ist ein KapitaliMport, nicht Export. Oder meint der Herr das Geld, welches die banken den Käufern vorher zwar per Kredit, aber de facto schenken, weil nur so im System die offiziellen und verdeckten Profite anfallen, die dann in brüssel verschwinden oder umverteilt werden? Die griechische Marine hat der deutsche Steuermichel auf diese Weise jetzt dreimal (Hermes) bezahlt, damit neu in F und D bestellt werden konnte. Hier tiefer Erkenntnis zu schürfen ist natürlich einem solchen Professor nicht möglich, zumal er ja damit auch seinem Hochlohn-Gejammer völlig in den Rücken fallen müßte....ist

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