IfW-Präsident Dennis Snower im Interview

„Man hat oft das Gefühl, von der Alltagswelt entfernt zu sein“

Dennis Snower ist der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft. Im Interview spricht der Ökonom über die Koordination der Think-Tank 20, politischen Einfluss und das Problem der Machtlosen und Abgeschotteten.
Der Ökonom ist Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, das die Think-Tank 20 (analog zu den G20) koordinieren soll. Quelle: dpa
Dennis Snower

Der Ökonom ist Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, das die Think-Tank 20 (analog zu den G20) koordinieren soll.

(Foto: dpa)

BerlinHerr Professor Snower, warum sind Ihr Institut und das DIE ausgewählt worden, die Gruppe der Think-Tank 20 zu koordinieren?
Das DIE ist schon lange im T20-Prozess involviert, hat also viel Expertise – speziell auf dem Feld der Entwicklungspolitik. Auch unser IfW hat natürlich auch eine Reputation in wirtschaftspolitischer Beratung, wir sind aber noch nicht so lange beim T20-Prozess dabei. Unser Institut für Weltwirtschaft interessiert sich aber traditionell für die Probleme, bei denen es globale wirtschaftliche Zusammenhänge gibt und für die kein Land allein die Verantwortung übernehmen kann. Finanzkrisen, Klimawandel und Armut sollte man zusammen betrachten. Vor diesem Hintergrund veranstalten wir auch jedes Jahr das Global Economic Symposium. Insgesamt fühlen sich unsere Institute optimal ergänzt. Zudem empfinde ich den Austausch mit Professor Messner persönlich und intellektuell als sehr anregend.

Ihre bereits für 2017 gesetzten Themen reichen von Migration, Flucht, über Energiewende und Haushaltspolitik bis zum digitalen Wandel. Wie wollen sie sich dabei nicht verzetteln?
Wir werden einen Neubeginn wagen. Wir werden im Rahmen der T20 weniger andere Institute um Meinungen bitten zu all den vielen Themen, zu denen sie Meinungen haben. Wir werden stattdessen thematische Fäden knüpfen, die für die Bundesregierung von besonderem Interesse sind. Wir werden Institute in aller Welt finden, die diese Spezialthemen bearbeiten können. Dann soll es einen Dialog mit den zuständigen Ressorts geben über die Relevanz unserer Vorschläge. In einem dritten Schritt formulieren wir Antworten. So stellen wir uns den neuen Prozess zur Unterstützung der G20 vor. Das wird nicht einfach, wir müssen uns fokussieren.

Die schwer angeschlagenen Sieben
USA
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Für Obama ist es die finale G7-Runde, und vor den Treffen der Nato und der G20 einer seiner letzten Gipfel überhaupt. Wenn der US-Präsident 2016 unterwegs ist, nimmt er immer auch Abschied. Er arbeitet an seinem Vermächtnis, das außenpolitisch eher durchwachsen aussieht. Wirtschaftlich steht sein Land ordentlich da. Er wird bange Fragen beantworten müssen: Was, wenn Donald Trump US-Präsident würde?

Deutschland
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Selten ist Bundeskanzlerin Angela Merkel innenpolitisch so angeschlagen zu einem G7-Gipfel gereist wie diesmal. Im Zuge der Flüchtlingskrise sind ihre Beliebtheitswerte deutlich gesunken und die Umfragewerte für ihre CDU haben sich massiv verschlechtert. Dennoch gilt die 61-Jährige für die anderen Staats- und Regierungschefs als Stabilitätsanker in Europa.

Japan
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Der Gastgeber Shinzo Abe steckt in Schwierigkeiten. Die Wirtschaft kommt trotz massiver Geldflut und Negativzinsen nicht in Gang. Im Juli stehen Parlamentswahlen an. Er hatte auf ein globales Konjunkturprogramm gehofft, aber die anderen G7-Partner ziehen nicht mit. Gerade Deutschland sieht die expansive Fiskal- und Geldpolitik, die Abe unter dem Namen „Abenomics“ auslöste, skeptisch.

Frankreich
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Staatschef François Hollande steht ein Jahr vor der Präsidentenwahl schwer unter Druck. Seine sozialistische Partei streitet heftig über eine Arbeitsmarktreform, die Gewerkschaften, Schüler und Studenten auf die Straße treibt. Die Rechtsaußen-Partei Front National ist im Aufwind, die Arbeitslosigkeit weiter hoch. Das Land steht noch unter dem Eindruck der verheerenden Terroranschläge.

Großbritannien
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David Cameron kann sich vor dem EU-Referendum kaum mit einem anderen Thema als dem drohenden Brexit beschäftigen. Vage blieb auch seine von der Queen vorgetragene Regierungserklärung für das kommende Jahr. Er hofft auf Rückenwind der G7 für einen Verbleib seines Landes in der EU. Sollten die Briten für einen Austritt stimmen, wären seine Tage als Regierungschef ohnehin bald gezählt.

Italien
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Ministerpräsident Matteo Renzi fährt innenpolitisch gestärkt nach Japan, denn Mitte Mai hat das Parlament ein von ihm gewolltes, aber höchst umstrittenes Gesetz zur Gleichstellung von Homopartnerschaften abgesegnet. Er hat aber mit großen Problemen wie Italiens Verschuldung sowie dem Flüchtlingszustrom aus Afrika zu kämpfen. Im Juni steht ein wichtiger Test bei Bürgermeisterwahlen an.

Kanada
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Premierminister Justin Trudeau ist der Neuling in der Runde. Es ist sein erster G7-Gipfel und der erste Übersee-Aufenthalt, seit er im Amt ist. Der 44-Jährige ist nicht nur in seinem Land hochbeliebt. Der attraktive Mann präsentiert sich als erfolgreicher Macher. Er gilt vielen als eine Art aufrechte Lichtgestalt und erfreulicher Gegenentwurf in Zeiten durchmarschierender Populisten.

Inwieweit nimmt die Bundesregierung Einfluss auf die Inhalte?
Natürlich gewährt sie den Think-Tanks ein völlige Autonomie, sich mit den Themen zu befassen, die sie wollen. Aber wir wollen auch, dass sich die Debatten auf die Themen konzentrieren, auf die die jeweilige Präsidentschaft setzt. Es geht um Kohärenz der politischen Vorschläge und eine Kontinuität von der einen zu anderen Präsidentschaft. Sonst kann man realpolitisch wenig erreichen. Wir befassen uns bewusst mit den längerfristigen Themen, mit einem über Jahre laufenden Diskurs, in der Erwartung, dass man ihn auch zu Ergebnissen führen kann.

Mit welchen konkreten Instrumenten wollen Sie nachhaltige Debatten pflegen?
Eben nicht, indem wir ein möglichst dichtes Netzwerk aus möglichst vielen Think-Tanks knüpfen, bezogen auf diverse Themen. zusätzlich zur gewohnten T20-Website, wo alle aktivitäten dargestellt werden, soll es eine T20-Insight-Plattform geben, wo man thematischen Fäden, die verschiedene Politikvorschläge verbinden, bequem verfolgen kann.

„Implikationen von Entscheidungen auf den Alltag beziehen“
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