IfW-Studie
Rentnern drohen viele magere Jahre

Nach der stattlichen Rentenerhöhung zum 1. Juli dieses Jahres müssen sich die gut 20 Millionen Ruheständler auf magere Jahre einstellen. Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) für das Handelsblatt zeigen, dass es 2010 und 2011 für die Rentner wohl nur Nullrunden geben wird und 2012 allenfalls ein Mini-Anstieg der Altersbezüge von etwa 0,2 Prozent realistisch ist.

DÜSSELDORF/BERLIN. „Auch danach wird es für die Rentner recht düster aussehen, wenn die Regierung mit ihrem Vorhaben Ernst macht und die Auswirkungen der 2010 ausfallenden Rentenkürzung mittelfristig nachholen will“, sagte IfW-Finanzexperte Alfred Boss.

Wesentliche Ursache für die Nullrunden ist die scharfe Rezession, die vor allem durch die weit verbreitete Kurzarbeit nach IfW-Schätzungen dazu führt, dass die gesamtwirtschaftliche Lohnsumme in diesem Jahr sinken dürfte. Dies würde nach den geltenden Regeln eine Rentenkürzung im kommenden Jahr auslösen – und zwar für sich genommen um 1,5 Prozent, rechnet das IfW. Allerdings will die Große Koalition nun genau diesen Effekt per Gesetzesänderung ausschließen. Nachdem Sozialminister Olaf Scholz (SPD) eine solche Schutzklausel angekündigt hatte, soll sie nun heute in den Bundestagsausschüssen besiegelt werden.

Doch auch die anderen Faktoren, nach denen sich die Rentenanpassung richtet, weisen für 2010 nach unten: So trägt der Riester-Faktor dem Umstand Rechnung, dass heute Beschäftigte zusätzlich privat fürs Alter vorsorgen sollen und dies ihr verfügbares Einkommen mindert. Die Steigerung des Riester-Faktors in diesem Jahr mindert somit die Renten 2010 zusätzlich um 0,64 Prozent. Hinzu kommt der Nachhaltigkeitsfaktor, der den Rentenanstieg in dem Maße dämpft, wie sich die Relation zwischen Beitragszahlern und Rentnern zulasten der Beitragszahler verschlechtert. Dies kostet 2010 weitere 0,28 Punkte bei der Rentenanpassung. Unterm Strich und ohne gesonderte Schutzklauseln müssten die Renten im kommenden Jahr damit um 2,4 Prozent im Westen sinken, so das IfW.

Während mögliche Rentenkürzungen als Folge der beiden Korrekturfaktoren schon bisher per Schutzklausel ausgeschlossen sind, sollen nach dem Willen der Koalition nun auch Rentenkürzungen als Folge sinkender Löhne gesetzlich ausgeschlossen werden. „In Deutschland werden die Renten nicht gekürzt – nicht im nächsten Jahr, auch nicht in späteren Jahren“, hatte Minister Scholz Ende April zur Beruhigung der Senioren verkündet, als der massive Konjunktureinbruch im Gefolge der Finanzmarktkrise erstmals das Risiko einer gesamtwirtschaftlich negativen Lohnentwicklung erkennen ließ. Der neuerliche Eingriff ins Rentensystem gilt als besonders gravierend, weil er offen die 1957 eingeführte Koppelung von Renten und Löhnen aufbricht.

Zugleich bauen sich als Folge der Schutzklauseln wachsende Lasten im System auf, die den Rentnern umso mehr magere Jahre in der Zukunft verheißen. Denn alle kurzfristig vermiedenen Einschnitte sollen nachgeholt werden. Dazu werden dann laut Gesetz die in späteren besseren Zeiten fälligen Rentenerhöhungen jeweils halbiert. Bis die Last auf diese Art wieder abgetragen ist, kann es dauern – umso länger, je stärker eine flaue Konjunktur bereits über Löhne und Beschäftigung künftige Rentenerhöhungen bremst.

Bereits aus den Jahren 2005 und 2006 besteht derzeit noch ein Anpassungsbedarf von 1,75 Punkten, der ab 2011 nachgeholt werden soll. Davon können laut Kieler Prognose im Jahr 2011 nur 0,68 Punkte nachgeholt werden, da sonst die Renten wieder sinken würden. 2012 müsste dann die normale Rentenerhöhung von 1,4 Prozent um den Rest gekürzt werden, so dass allenfalls ein Mini-Plus von rund 0,4 Prozent bliebe. Und die Hälfte davon wird laut Plan der Koalition nun dafür verwendet, die Folgen der neuen Rentengarantie zu begrenzen.

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