IfW-Studie
Steuervergünstigungen kosten Milliarden

Deutschland leistet sich noch immer Steuervergünstigungen in zweistelliger Milliardenhöhe. Ungeachtet aller politischen Lippenbekenntnisse wurden sogar auch neue Vergünstigungen geschaffen. Würden all diese Vorteile abgeschafft, könnten davon einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zufolge rein rechnerisch alle Bürger profitieren.

DÜSSELDORF. Deutschland leistet sich in diesem Jahr immer noch 48,8 Mrd. Euro Steuervergünstigungen. Das entspricht 1,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, heißt es in einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), die dem Handelsblatt vorliegt. Würden alle Vorteile abgeschafft, könnte rein rechnerisch der Umsatzsteuersatz um fast fünf Prozentpunkte gesenkt werden, ohne dass der Staat auf Einnahmen verzichten müsste, sagte IfW-Finanzexperte Alfred Boss dem Handelsblatt.

Zwar gäbe es gewisse Erfolge beim Abbau, doch habe die Große Koalition ungeachtet aller politischen Lippenbekenntnisse auch neue Vergünstigungen geschaffen, so die Studie. „Der Rückgang der Steuervergünstigungen ist praktisch zum Stillstand gekommen“, betonte Boss. Lediglich die Abschaffung der Eigenheimzulage führe in den kommenden Jahren zu einem leichten Rückgang der Vorteile, da Jahr für Jahr eine Gruppe von Altfällen mit Bestandsschutz aus der Riege der Begünstigten herausfalle. Die Eigenheimzulage wurde zwar 2006 abgeschafft; damalige Hausbesitzer erhalten jedoch den Steuervorteil die vollen acht Jahre lag. Mit Ausfällen von 4,4 Mrd. Euro ist die mit der Einkommensteuer verrechnete Subvention daher dieses Jahr immer noch viertgrößter Einzelposten der Kieler Liste.

Steuervergünstigungen gelten unter Finanzwissenschaftlern grundsätzlich als Übel, weil Vorteile für eine kleine Gruppe von Bürgern von der Allgemeinheit über höhere Steuersätze finanziert werden müssen. Hohe Steuersätze wiederum senken grundsätzlich die Leistungsbereitschaft der Bürger und sind somit eine Bremse für Wachstum und Beschäftigung.

Die Bundesregierung weist in ihrem Subventionsbericht überdies darauf hin, dass – anders als bei Finanzhilfen – die Höhe der Einnahmeausfälle häufig nur geschätzt werden könnte. Stärker als Finanzhilfen begünstigten einmal gewährte Steuervergünstigungen Mitnahmeeffekte, hätten die Tendenz, sich zu verfestigen, und liefen Gefahr, bald nicht mehr als Subvention wahrgenommen zu werden.

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