IG BCE fordert reales Lohnplus
Chemie-Tarifparteien eröffnen Lohnrunde mit moderaten Tönen

Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) vermeidet vor der Tarifrunde in der chemischen Industrie eine Konfrontation mit den Arbeitgebern: Sie will für die 560 000 Beschäftigten zum Jahreswechsel eine „reale Einkommenserhöhung“ erreichen, benennt aber vorerst keine Prozentzahl. Die Arbeitgeber loben den Verzicht.

BERLIN. Daneben will die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern einen neuen Tarifvertrag für mehr Ausbildungsplätze vereinbaren. Mit einem entsprechenden Beschluss hat der IG-BCE-Vorstand die Lohnrunde 2006/2007 eröffnet. Die bisherigen Tarifverträge laufen noch bis Jahresende.

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) lobte den Verzicht auf eine Prozent-Forderung. Dieser Ansatz sei „sehr hilfreich“, so BAVC-Präsident Eggert Voscherau. Denn damit würden nicht schon Monate vor einem Tarifabschluss auf Grund von Wirtschaftsdaten Vorfestlegungen getroffen, die sich womöglich später als überholt erweisen. Nach einer erfreulichen Entwicklung der Branche in den vergangenen zwei Jahren zeichne sich bereits ab, „dass der Konjunktur-Zyklus auslaufen könnte und die Wachstumsraten 2007 zurückgehen werden“, so Voscherau.

Der Beschluss der Gewerkschaftsspitze ist zunächst eine Empfehlung für die Forderungsdiskussion in den Belegschaften, er hat aber Signalfunktion. Anders als zuletzt in der Stahlindustrie, wo die IG Metall mit der Rekordforderung von sieben Prozent angetreten war, folgt die IG BCE damit weiter ihrer weniger kämpferischen Auffassung von Tarifpolitik. In der Metall- und Elektroindustrie steht allerdings auch für die IG Metall bereits die nächste große Branche auf dem Terminplan: Dort laufen die Verträge noch bis Ende März.

Die nächsten Lohnrunden haben für die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung besondere Bedeutung, weil sie in engem zeitlichem Zusammenhang mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent zum 1. Januar laufen. Ökonomen fürchten, dass dies als Hebel für überhöhte Lohnabschlüsse wirken könnte. Zwar vertritt auch die IG Metall nicht die These, dass die Mehrwertsteuererhöhung direkt in einen dreiprozentigen Lohnzuschlag umgemünzt werden müsse. Zugleich aber blendet auch die Empfehlung der IG BCE den Zusammenhang nicht ganz aus: Sie strebt einen Abschluss an, der „die Produktivitätsentwicklung der Branche berücksichtigt und neben dem Ausgleich der zu erwartenden Preissteigerungsrate eine reale Einkommenserhöhung sicherstellt“.

Daneben will die IG BCE den Tarifvertrag für mehr Ausbildungsplätze fortführen, der 2007 ausläuft. Mit der 2003 getroffenen Vereinbarung hatten sich die Arbeitgeber verpflichtet, die Zahl der Ausbildungsplätze in der Branche in jährlich festzulegenden Schritten um insgesamt sieben Prozent zu steigern. Im Gegenzug hatte sich die IG BCE bereit erklärt, die Ausbildungsvergütungen vorübergehend einzufrieren. Unter dem Strich steigt durch den Vertrag die Zahl der Ausbildungsplätze von ursprünglich 7 852 auf 8 402. Der BAVC warnte indes vor der Erwartung, solche Steigerungen seien auf Dauer realisierbar. Viele Firmen bildeten längst über ihren Bedarf hinaus aus. Daher werde es „schwierig, das im Jahr 2007 angestrebte hohe Ausbildungsniveau auch nur zu halten“, so der Verband.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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