IG Metall
Das neue Selbstbewusstsein der Metaller

Mit einem kräftigen Mitgliederplus und einer guten Auftragslage bei den Betrieben im Rücken verlangt die IG Metall rund fünf Prozent mehr Lohn. Die Tarifrunde ist in mehrfacher Hinsicht bedeutend.

BerlinFür Zurückhaltung sieht Hartmut Meine keinen Anlass: Die Auftragslage der Betriebe sei stabil, das erwartete Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent eine solide Basis, sagt der Leiter des IG-Metall-Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Ein Krisenszenario ist nicht zu erkennen, wie sämtliche Prognosen der Wirtschaftsinstitute bestätigen.“ Deshalb, schlussfolgert Meine, hätten die Metaller in diesem Jahr ein kräftiges Lohnplus von fünf Prozent verdient.

Mit den Forderungsempfehlungen der Bezirke beginnt traditionell die Tarifrunde für die 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie, die in diesem Jahr als reine Lohnrunde geführt werden soll. Im vergangenen Jahr war die Gewerkschaft mit einer Forderung von 5,5 Prozent in die Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern gegangen und hatte am Ende 3,4 Prozent herausgeholt.

In diesem Jahr schraubt die IG Metall ihre Forderungen nur unwesentlich herunter. Zwischen 4,5 und fünf Prozent bewegen sich die Forderungen aus den Regionen. Am 2. Februar wird der Bundesvorstand der Gewerkschaft einen Forderungsrahmen beschließen, der erneut in den Bezirken diskutiert wird. Der endgültige Forderungsbeschluss folgt dann am 29. Februar, bevor gegen Ende März die regionalen Verhandlungsrunden beginnen.

Die Arbeitgeber reagierten auf die regionalen Empfehlungen mit den üblichen Abwehrreflexen. Schon der 2015 erzielte Tarifabschluss sei an die Grenze der Belastbarkeit gegangen, kritisierte der Hauptgeschäftsführer des bayerischen Arbeitgeberverbands, Bertram Brossardt. Auf das letzte Jahr gerechnet hätten sich die Entgelte um 3,6 Prozent erhöht. Die Produktivität hingegen stagnierte. Schon seit einiger Zeit investierten die Unternehmen viel stärker in die Produktion im Ausland als im Inland. Mit überzogenen Forderungen setzt die IG Metall also heimische Jobs aufs Spiel.

Mehr als ein Fünftel der Metall- und Elektrobetriebe bundesweit schrieben Verluste oder erwirtschafteten gerade einmal eine schwarze Null, warnte auch der Chef des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Stefan Wolf. Wer zudem glaube, man könne dauerhaft Gewinne im Inland verteilen, die durch Produktion im Ausland ermöglicht werden, der irre sich.

„Das ist die falsche Zeit für Höhenflüge. Wir müssen jetzt dringend Maß halten, um im Inland Standorte und Beschäftigung sichern zu können“, sagte Wolf. Die Entgelte in der Branche seien seit Beginn der Krise 2008 um mehr als 20 Prozent angehoben worden, während die Produktivität mit weniger als zwei Prozent plus kaum vom Fleck gekommen sei.

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