IG-Metall-Forderungen
Es geht nicht ohne Schmerzen

4,5 bis fünf Prozent mehr Geld will die IG Metall für ihre Beschäftigen erstreiten. Doch jeder Prozentpunkt kostet die Unternehmen Milliarden. Erhöhungen „als Gnadenakt des Patrons“ will die Gewerkschaft aushebeln.

BerlinGanz aus dem Vollen schöpfen will die IG Metall dann doch nicht. Der Bundesvorstand hat am Dienstag in Frankfurt empfohlen, mit einer Forderung nach 4,5 bis fünf Prozent mehr Geld in die Tarifrunde für die 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie zu gehen. Er folgt damit exakt der vorsichtigen Empfehlung des Bezirks Nordrhein-Westfalen. Andere Bezirke, vor allem mit den Industriestandorten im Südwesten, würden gerne die fünf vor dem Komma sehen.

„Die Forderung ist von den Unternehmen finanzierbar und sichert den Beschäftigten einen fairen und verdienten Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung“, sagte der im vergangenen Oktober an die Spitze gewählte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. „Sie ist zur weiteren Stärkung der Binnennachfrage ebenfalls dringend geboten.“

Obwohl es dieses Mal nur um eine reine Entgeltrunde geht und nicht um qualitative Elemente wie etwa die Bildungsteilzeit, erwartet Hofmann keine einfachen Verhandlungen: Jeder Prozentpunkt Tarifsteigerung koste die Unternehmen 1,8 Milliarden Euro. „Da fängt jeder Kaufmann an zu rechnen“, sagt der IG-Metall-Chef. Er wolle deshalb nicht ausschließen, dass beiden Seiten „der entsprechende Schmerz“ abverlangt werde, um zu einem Ergebnis zu kommen. Insgesamt habe die IG Metall in den vergangenen zehn Jahren aber eine „sehr verlässliche Lohnpolitik“ abgeliefert.

Die IG Metall sieht nach wie vor ein rosiges wirtschaftliches Umfeld. Die USA befänden sich im Wirtschaftsboom, auch aus Spanien oder Großbritannien kämen wieder erfreuliche Signale. Nur Russland und China bereiten den Konjunkturexperten Sorge.

Trotz wachsender Unsicherheiten verbuchten die Unternehmen weiter satte Gewinne, wie die bevorstehende Quartalssaison zeigen werde. Die Nettoumsatzrendite sei 2015 gegenüber dem Vorjahr zwar leicht gesunken, liege mit 3,6 Prozent aber immer noch im Schnitt der Nachkrisenjahre, argumentiert Frank Iwer, der bei der Gewerkschaft die Strategie und die politische Planung verantwortet. Und: 2015 hätte allein der Gewinn von Daimler ausgereicht, um bundesweit die Tarifforderung der IG Metall zu erfüllen.

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