IG Metall kündigt höhere Forderungen an
Beck plädiert für höhere Lohnzuwächse

SPD-Chef Kurt Beck hat sich angesichts der robusteren Konjunktur und gestiegener Unternehmensgewinne für höhere Lohnzuwächse ausgesprochen.

HB BERLIN. „Es ist Zeit für eine Lohnpolitik, die den Arbeitnehmern angemessene Lohnerhöhungen zubilligt“, sagte Beck der „Bild am Sonntag“. Wegen der wirtschaftlichen Schwäche und der großen internationalen Konkurrenz seien die Zuwächse in den Vorjahren sehr zurückhaltend ausgefallen. Diese Phase sei überwunden.

Auch der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend sprach sich bezogen auf die Metallbranche in der „Welt am Sonntag“ für höhere Löhne aus. Führende Funktionäre der IG Metall kündigten derweil gut vier Monate vor dem Auslaufen des Tarifvertrages in der Metallindustrie höhere Lohnforderungen für die Tarifrunde 2007 an. Dagegen warnte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, vor überzogenen Tarifabschlüssen. Er signalisierte allerdings, die Mitarbeiter „angemessen am Zuwachs und Erfolg“ zu beteiligen.

Mit Blick auf die moderaten Lohnerhöhungen in den vergangenen Jahren sagte Beck: „Aber jetzt müssen wir anständige Lohnanteile haben, weil wir damit auch die Binnenkonjunktur stützen und den Menschen wieder mehr Handlungsfähigkeit und Anerkennung geben.“ Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck forderte in der „Bild am Sonntag“: „Zum guten Wachstum gehören faire Löhne“.

Mehrere IG-Metall-Bezirksleiter kündigten für die nächste Tarifrunde höhere Lohnforderungen an. Der Bezirksleiter in Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, angesichts von Mehrbelastungen durch gestiegene Sozialversicherungsbeiträge und Steuern müsse die Forderung deutlich höher als in der letzten Tarifrunde. Damals hatte sie fünf Prozent betragen. „Egal wie man rechnet, bei den Beschäftigten bleibt das dumpfe Gefühl übrig, es wird teurer“, begründete er das. Dabei gehe es wirtschaftlich aufwärts. Den Betrieben gehe es gut, sie forderten Mehrarbeit und Sonderschichten ein. Das wirke auf die „Erwartungshaltung der Beschäftigten nicht gerade dämpfend.“

Die Chefin der IG Metall Küste, Jutta Blankau, sagte der „Welt am Sonntag“, ihre Tarifkommission halte eine Erhöhung zwischen fünf und sieben Prozent für angemessen. In einer Umfrage habe eine große Zahl von Beschäftigten sogar acht Prozent mehr Lohn gefordert. Ihr nordrhein-westfälischer Kollege Detlef Wenzel sagte, das kommende Tarifergebnis müsse der spürbar besseren wirtschaftlichen Entwicklung entsprechen.

Kannegiesser führte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ an, es gebe ein langjähriges Einverständnis, die Auswirkungen von Steueränderungen nicht durch die Tarifpolitik auszugleichen. Da sich die wirtschaftliche Lage aber deutlich gebessert habe, sollten die Arbeitnehmer angemessen daran partizipieren. Das Preis-Leistungsverhältnis deutscher Produkte auf den Weltmärkten dürfe jedoch keinesfalls durch überzogene Lohnabschlüsse wieder verschlechtert werden. Der Chef der Metallarbeitgeber forderte, intensiver über gewinnorientierte Lohnanteile zu sprechen.

Die große Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg will sich im Januar auf eine konkrete Forderung für die neue Tarifrunde festlegen. Der Tarifvertrag läuft Ende März aus. Mit den Arbeitgebern hatte sich die IG Metall im Frühjahr nach wochenlangen Verhandlungen auf eine Lohnerhöhung von drei Prozent zuzüglich einer Einmalzahlung von 310 Euro für die Monate März bis Mai geeinigt.

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