IG Metall kündigt massiven Widerstand an
Streit um Steinkühler-Pause

Wenige Monate vor der Metall-Tarifrunde 2006 hat die baden-württembergische IG Metall massiven Widerstand gegen eine Abschaffung der so genannten „Steinkühler-Pause“ für Fließbandarbeiter angekündigt.

HB STUTTGART. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hat den entsprechenden Tarifvertrag zum Jahresende gekündigt. „Er passt angesichts der Vielfalt der Produktionsprozesse in den Betrieben nicht mehr in die Zeit“, sagte ein Verbandssprecher am Donnerstag in Stuttgart.

Von dem Tarifvertrag sind nach Gewerkschaftsangaben 88 000 Metall- Arbeiter an Fließbändern und taktgebundenen Maschinen im Tarifgebiet Nordwürttemberg/Nordbaden betroffen. Im dem Tarifvertrag sind unter anderem fünf Minuten Erholzeit sowie drei Minuten persönliche Bedürfniszeit - nach dem früheren Südwest-IG Metall-Chef Franz Steinkühler auch „Steinkühler-Pinkelpause“ genannt - pro Stunde festgeschrieben. Der frühere Mercedes-Chef Jürgen Hubbert hatte die Steinkühlerpause als „baden-württembergische Krankheit“ kritisiert.

IG Metall Bezirksleiter Jörg Hofmann meinte: „Setzen die Arbeitgeber sich durch dann, wird entweder 8,6 % mehr Arbeitszeit in Stückzahlen umgesetzt oder für die gleiche Stückzahl 8,6 % weniger Personal gebraucht.“ Allein bei Daimler-Chrysler wären dann neben den bereits zur Disposition stehenden 8500 Arbeitsplätzen 4000 weitere Stellen in Gefahr. Das Thema habe für die Beschäftigten einen hohen Symbolwert. „Die Arbeitgeber haben uns vor der Tarifrunde einen Stoff gegeben, der die Gemüter anheizt. Die Kündigung wird Krawall auslösen.“

Hofmann macht auf die Bedeutung der Erholzeiten vor dem Hintergrund des steigenden Alters der Belegschaften und immer kürzerer Taktzeiten aufmerksam. Schon jetzt liege das Ausstiegssalter für Metaller in der Montage im Schnitt bei 56 oder 57 Jahren. Es gehe darum, den Beschäftigten Entlastung zu verschaffen, damit sie gesund bis zur Rente arbeiten könnten.

Nach Hofmanns Überzeugung ist die Produktion in Nordwürttemberg/Nordbaden nicht kostspieliger als in anderen Tarifbezirken. Möglicher Mehraufwand werde durch besonders hohe Produktivität mehr als ausgeglichen. Dies sei das bundesweit einzige Gebiet mit einem Beschäftigungsplus. Zwischen 1995 und 2004 habe die Zahl der Beschäftigten um rund drei Prozent zugenommen. Zudem gebe es ähnliche betriebliche Verreinbarungen über Erholzeiten in zahlreichen Betrieben in ganz Deutschland. „Das ist kein Auslaufmodell.“

Die Große Tarifkommission wollte sich am Donnerstag in Leinfelden- Echterdingen (Kreis Esslingen) als erstes Gremium der IG Metall bundesweit mit der kommenden Tarifrunde und einer Gehaltsforderung für die etwa 800 000 Metallbeschäftigten zwischen Main und Bodensee befassen. Am 10. November diskutieren die Betriebsräte und Vertrauensleute über die Forderungsstruktur. Am 1. Dezember beschließt das Gremium eine Forderung, über die der Frankfurter Vorstand entscheidet.

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