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IG Metall: Stahlindustrie wehrt sich gegen Zeitarbeitspläne

Die IG Metall will per Branchentarif gleiche Löhne für Stamm- und Zeitkräfte vorgeben - und damit auch ein Signal für andere Branchen setzen. Die Arbeitgeber lehnen das ab und bringen auch rechtliche Einwände vor.

Die IG Metall will für die Stahlindustrie einen Branchentarif durchsetzen. Quelle: dpa
Die IG Metall will für die Stahlindustrie einen Branchentarif durchsetzen. Quelle: dpa

BERLIN. Die Arbeitgeber der Stahlindustrie lehnen die Pläne der IG Metall für einen neuartigen Zeitarbeits-Tarifvertrag in der Branche ab – und führen dagegen auch gravierende juristische Einwände an. „Das Vorhaben der IG Metall ist allein schon rechtlich hoch bedenklich“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Stahl, Bernhard Strippelmann, dem Handelsblatt. Sein Argument: Bereits formal fehle den Tarifparteien der Stahlindustrie die Zuständigkeit, Löhne von Zeitarbeitern zu regeln.

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Konkurrenz der Zuständigkeiten

Die IG Metall will heute ihr Forderungspaket zur Tarifrunde für die rund 85 000 Stahl-Beschäftigten beschließen, die am 6. September beginnt. Neben generellen Lohnerhöhungen strebt sie dabei eine Tarifregelung an, die erstmals für eine gesamte Branche verbindlich gleiche Löhne für Zeitarbeiter und Stammbeschäftigte vorschreiben würde. Es sei jetzt an der Zeit, das Thema anzupacken – „und in der Stahlindustrie haben wir die Organisationsmacht, um das auch durchzusetzen“, hatte IG-Metall-Verhandlungsführer Oliver Burkhard angekündigt.

Nach Auffassung der Arbeitgeber wäre so ein Tarifvertrag indes womöglich gar nicht zulässig. „Unser Verband schließt Tarifverträge für seine Mitgliedsunternehmen und deren Arbeitnehmer“, sagte Strippelmann. „Die Zeitarbeiter zählen aber nicht dazu.“ Denn diese seien Angestellte ihrer Zeitarbeitsfirmen, für die es nahezu flächendeckend eigene Tarifverträge gebe – und zwar Verträge für die Zeitarbeitsbranche, bei denen überdies die IG Metall noch selbst Vertragspartei sei.

Auch in der Sache sehe er jedoch keine Rechtfertigung für einen gesonderten Zeitarbeits-Tarifvertrag in der Stahlindustrie: Da der Anteil der Zeitarbeiter dort mit unter drei Prozent selbst nach Einschätzung der IG Metall nicht besonders hoch liege, sei die ganze Thematik in der Branche „offensichtlich keineswegs ein drängendes Problem“. Die Arbeit der Stahl-Tarifparteien „sollte sich darauf konzentrieren, die drängenden Probleme der Stahlindustrie anzupacken“, mahnte Strippelmann. Wenn die IG Metall die Branche als „Speerspitze“ für neue tarifpolitische Strategien ansehe, dann sei das „nicht sachgemäß“.

Test für die große Tarifrunde 2012?

In der Tat geht es der IG Metall darum, mit ihren Plänen auch ein Signal für andere Branchen zu setzen, wie Burkhard betont hatte. Dies betrifft allen voran den großen Tarifbereich der Metall- und Elektroindustrie mit seinen 3,4 Mio. Stammbeschäftigten. Nach Daten des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall lag die Zeitarbeiterquote dort 2009 bei 3,7 Prozent. Sie hatte vor der Wirtschaftskrise aber schon Werte von gut sechs Prozent erreicht.

Sollte die IG Metall ihre Strategie jetzt in der Stahlindustrie durchsetzen, könnte sie dies als gelungenen Testlauf für die nächste Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie werten. Entsprechend aufmerksam dürfte auch Gesamtmetall die aktuelle Entwicklung verfolgen. Allerdings läuft die nächste Metall-Tarifrunde erst im Frühjahr 2012.

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